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Wissenschaftler fordern: Neudefinition von Krebs und Früherkennung

 

Es ist schon paradox, die Mittel zur Krebsfrüherkennung werden immer ausgefeilter und die Zahl der Früherkennungen steigt mit jedem Jahr an. Dennoch gibt es heute wie damals genauso viele fortgeschrittene Krebsfälle und Menschen, die an dieser Krankheit sterben. Das Ziel der Krebsfrüherkennung wurde somit nicht erreicht, bemängelt eine Arbeitsgruppe des US-amerikanischen Nationalen Krebsinstituts (NCI) in der neusten Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift JAMA. Krebs würde zu häufig diagnostiziert und somit auch zu häufig behandelt, selbst wenn dies gar nicht nötig sei.

Nicht jeder Krebs bildet Metastasen und auch nicht jeder Krebs endet unbehandelt mit dem Tod des Patienten, so die Autoren des Artikels. Mancher Krebs würde ohne Screening ein Leben lang unentdeckt bleiben und auch keine Probleme verursachen. Während die Früherkennung bei manchen Krebsarten, wie z.B. Darm- und Gebärmutterhalskrebs, offensichtlich zu einem Rückgang der fortgeschrittenen Krebsfälle geführt hat, ist dieser Erfolg bei anderen Krebsarten ausgeblieben. Weiterhin macht das häufig zeitnahe Screening bei schnell fortschreitendem Krebs laut den Autoren selten Sinn. Es ist eher für langsam fortschreitende Erkrankungen sowie Fälle geeignet, in denen bisher lediglich präkanzerose Gewebsveränderungen festgestellt wurden.

 

"Ärzte, Patienten und die allgemeine Öffentlichkeit müssen wissen, dass eine übermäßige Diagnosestellung verbreitet ist und häufiger im Rahmen von Krebsfrüherkennungen passiert. Die Überdiagnose, oder auch die Feststellung von indolentem Krebs, kommt häufig bei Brust-, Lungen-, Prostata- und Schilddrüsenkrebs vor."
Overdiagnosis and Overtreatment in Cancer, JAMA, July 29, 2013

 

Die Arbeitsgruppe des NIC bemängelt auch, dass die steigende Früherkennungsrate bei einigen Krebsarten zu einer übermäßigen und nicht immer sinnvollen Behandlung führen kann. Denn wer einmal das Stigma "Krebs" auf die Stirn geschrieben bekommen hat, kommt aus dem riesigen modern-medizinischen Behandlungsapparat oft so schnell nicht wieder heraus. Dabei hätten viele der diagnostizierten und behandelten Krebserkrankungen den Patienten vielleicht nie Probleme bereitet. Das Problem entsteht manchmal erst durch die allzu eilige Früherkennung.

Die NIC-Arbeitsgruppe schlägt daher vor, das derzeitige Früherkennungssystem zu überdenken und zu verändern. Ein ideales Screening konzentriere sich auf die Erkennung von Erkrankungen, die tatsächlich Schädigungen und Leid verursachen, und die sich im frühen Krankheitsstadium leichter behandeln lassen. Die Autoren gehen sogar noch einen Schritt weiter und plädieren dafür, den Begriff "Krebs" nur für solche krankhaften Gewebsveränderungen zu verwenden, bei denen unter Ausschluss einer Behandlung ein tödlicher Verlauf möglich ist. Präkanzeröse Veränderungen sollten weder als Krebs bezeichnet werden, noch diesen in irgendeiner Form in ihrem Namen tragen. Außerdem sollten Diagnosemittel für die Erkennung von indolentem Krebs (z.B. gutartige Tumore oder Krebs mit niedrigerem Gefährdungspotential für den Patienten) entsprechend angepasst und überprüft werden.

Das Krebscafe meint: Die Schritte, die die Arbeitsgruppe im Fachmagazin JAMA vorschlägt, sind sehr zu begrüßen. Denn letztlich geht es bei Krebs nicht nur darum, die Krankheit zu heilen. Es geht im Angesicht der fortschreitenden Erkenntnisse über diese Erkrankung auch darum, immer wieder neu zu definieren, was Krebs denn überhaupt ist und welche Behandlungsoptionen sich daraus ergeben. Die Stigmatisierung in unserer Gesellschaft mit dem Begriff "Krebs" muss aufhören. Denn nicht jeder Mensch, bei dem Krebs festgestellt wird, ringt mit dem Tod, und nicht bei jedem Patienten ist eine aggressive Behandlung im schulmedizinischen Sinne angebracht. Viele Mediziner und Wissenschaftler reden seit Jahren vom Krebs als eine immer besser zu kontrollierende und den Patienten oft kaum noch einschränkende Erkrankung. Diesen Worten sollten nun Taten folgen und die schulmedizinische Einstellung zur Früherkennung, Klassifizierung und Behandlung von Krebserkrankungen überdacht werden.

 

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