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4. April 2009

Geheimnisse für ein langes Leben

Was macht ein langes, gesundes Leben aus?

Seelisch mehr im Gleichgewicht? Geselliger? Offener? Mitfühlender? Gewissenhafter? Welche Charaktereigenschaften verhelfen zu einem langen, gesunden Leben? Wissenschaftler entdecken nun ein Geheimnis besonders alter Menschen: Sie neigen offenbar weniger zu inneren Konflikten und gehen mehr aus sich heraus.

Wissenschaftler der Boston University of Medicine haben in einer Studie bestimmte Charaktereigenschaften identifiziert, die bei den Kindern von über Hundertjährigen offensichtlich mit gesundem Altern und einem langen Leben einhergehen. Bisherige Forschung an den Nachkommen hatten gezeigt, dass Langlebigkeit oft in der Familie liegt. So ist die Sterbewahrscheinlichkeit der Nachkommen und Geschwister von über Hundertjährigen 120 Prozent niedriger als bei Menschen der gleichen Altersgruppe. Die Langlebigen haben seltener Übergewicht und neigen erst später zu Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Laut der Wissenschaftler könnte das wohl auch an vererbten Charaktereigenschaften liegen.

246 Männer und Frauen im Alter von durchschnittlich 75 Jahren wurden bei der Studie nach der Einschätzung Ihrer Charaktereigenschaften befragt: Neurotizismus (Fähigkeit zur Stressbewältigung, Umgang mit Ärger und Ängsten), Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit (u.a. Hilfsbereitschaft und Altruismus) und Gewissenhaftigkeit. Sowohl die Männer als auch die Frauen lagen dabei im unteren Bereich für Neurotizismus und wiesen eine hohe Extrovertiertheit auf. Die Frauen schienen zudem eine hohe Verträglichkeit zu besitzen (siehe "Weiterführende Links"). Beide Geschlechter schnitten bezüglich Gewissenhaftigkeit und Offenheit durchschnittlich ab.

Während sich Männer und Frauen generell in ihren grundlegenden Charaktereigenschaften unterscheiden, so waren sich männliche und weiblich Nachkommen der über Hundertjährigen in den oben aufgeführten Punkten recht ähnlich. Dies spricht für die Wichtigkeit dieser Eigenschaften für gesundes Altern und ein langes Leben. "Beispielsweise sind Menschen, die weniger neurotisch sind, fähiger, stressbelastete Situationen gut zu bewältigen und zu regulieren. Ebenso wird ein hoher Grad an Extraverion verbunden mit dem Schließen von Freundschaften und einer Sorge um sich selbst.", so Dr. Thomas Perls, Leiter der Studie.

Auch in den harten Wissenschaften wird der Zusammenhang zwischen Körper und Geist immer klarer. Doch wie können Sie zu Hause diese Erkenntnisse nutzen?

Nun, sowohl die innere Fähigkeit mit Konflikten umzugehen als auch die Stärkung der sozialen Fähigkeiten, sind eine Übungssache. Eine Psycho- oder eine ähnliche Therapie kann Ihnen helfen, bereits bestehende Konflikte zu verarbeiten. Nichts "anbrennen" zu lassen", also Konflikte offen zu thematisieren, ist eine weitere Möglichkeit. Auf jeden Fall aber ist Ehrlichkeit zu sich selbst und anderen von enormer Wichtigkeit, denke ich. Und auch wenn sie nicht auf Anhieb gelingt, so lässt sie sich doch trainieren.

Soziale Kompetenz und Extrovertiertheit sind ein ebenso weites Feld und es gibt unzählige Möglichkeiten, dieses zu beackern. Mein Tip: Knüpfen Sie Freundschaften. Finden Sie Wege, Gefühle an sich heran- und zuzulassen. Spielen Sie Theater. Treten Sie einem Gesangsverein oder sonstigen Gruppen bei, in denen Sie gefordert sind, aus sich heraus zu gehen.

Aus den offensichtlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen, die in dieser Studie zutage kamen, leitet sich für mich zudem ein weiterer Ratschlag fürs die geistige Gesundheit ab: Leben Sie Ihre Weiblichkeit oder Männlichkeit. Unterdrücken Sie nicht, wer oder was sie sind, und lassen Sie andere daran teilhaben. Denn Gesund sein heißt Mensch sein!

Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Gesundheit,
Andreas Thies

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4. September 2008

Krank durch Konflikte?

Können unverarbeitete Konflikte Krankheiten auslösen?

Bereits seit den 30er Jahren beschäftigt sich die sogenannte psychosomatische Medizin mit den Einflüssen geistig-seelischer Ebenen auf die körperliche Gesundheit des Menschen. Die Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, erscheinen umso gewichtiger, je mehr man Krankheiten unter diesem möglichen Entstehungsaspekt betrachtet. So gibt es in den letzten Tagen gleich zwei Meldungen aus der Welt der Forschung, die den Verdacht bestärken, dass die Auswirkung von Konfliktereignisse auf den Körper weit größer sein kann, als von vielen Wissenschaftlern bisher angenommen.

Eine der beiden Meldungen war bereits Thema hier im Krebscafé. Dabei ging es um eine Studie der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel. Demnach können negative Konfliktereignisse wie der Verlust eines Elternteils oder nahen Verandten, eine Scheidung oder der Verlust des Partners, das Brustkrebsrisiko bei Frauen deutlich erhöhen. Die ganze Meldung können Sie hier nachlesen.

Die zweite Meldung erschien kürzlich in einem Gesundheitsmagazin-Podcast des Bayerischen Rundfunks (BR). Laut diesem bekräftigen neue Forschungsergebnisse des Münchener Helmholtz Zentrums die Annahme, dass es auch emotionale Gründe für die Entstehung von Allergien bei Kindern gibt. Ín der vorgestellten Studie scheint ein direkter Zusammenhang zwischen der Trennung der Eltern und dem Risiko bei Kindern zu bestehen, an Neurodermitis zu erkranken.

"Es ist seit langem bekannt, dass belastende Ereignisse dazu führen können, entzündenden, juckenden Hautausschlag zu provozieren, wenn ein Kind an Neurodermitis erkrankt ist. Aus meiner Sicht ist neu, dass wir im Rahmen dieser Studie gezeigt haben, dass solche Konfliktsituationen tatsächlich am langen Ende dazu führen, dass solche Erkrankungen überhaupt entstehen können.", so Joachim Heinrich, Umweltmediziner am Helmholtz Zentrum in München.

In der Studie wurden 3.000 Neugeborene aus ganz Deutschland über einen Zeitraum von sechs Jahren regelmäßig untersucht, und dabei auch Veränderungen in der Familie festgehalten und mit der Entwicklung des Kindes verglichen. Dabei kam heraus, dass das Risiko an Neurodermitis zu erkranken, bei Scheidungskindern dreimal so hoch ist.

Joachim Heinrich: "Kinder merken, wenn irgend etwas in der familiären Konstellation nicht stimmt. In der Regel können sie solche Informationen nicht rational verarbeiten; sie haben nicht die entsprechenden Wörter, nicht die Begriffe mit denen sie jonglieren können. Und insofern bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Sprache des Körpers zu benutzen. Und die Haut scheint ein für sie geeignetes Organ zu sein um zu sprechen." Die Wissenschaftler stellten nach der Trennungserfahrung eine Erhöhung der Neuropeptide (Stressmarker) im Blut der Kinder fest.

Umweltmediziner Joachim Heinrich empfiehlt Kinderärzten, die Eltern darauf hinzuweisen, "dass es sich nicht nur um einen juckenden Hautausschlag handelt, auf den man Zinksalbe schmieren kann, sondern dass sie auch darüber nachdenken, welchen eigenen Anteil sie an dem Auftreten einer bestimmten Symptomatik haben könnten."

Empfehlenswerte Bücher zum Thema

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