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Studie beweist: Glück beeinflusst die Gene

Die Zeiten, in denen Emotionen etwas abfällig als Nebenprodukte des Gehirns ohne große Relevanz für die körperliche und gesundheitliche Realität betrachtet wurden, sind vorbei. In der letzten Woche haben Wissenschaftler einen weiteren wichtigen Hinweis auf die enge Verbindung von psychischem Wohlergehen und körperlicher Gesundheit veröffentlicht. Das Ergebnis ihrer Studie: das Glücksempfinden eines Menschen wirkt auf die Expression seiner Gene.

Wer nun glaubt, er könne dieses gesundheitliche Glück durch Anhäufung von mehr Geld und durch Befriedigung der eigenen Interessen erreichen (= Egoismus), ist schief gewickelt. Denn wie die Wissenschaftler herausfanden, stellt sich der gesundheitlich positive Effekt nur beim so genannten eudaimonischen Wohlergehen ein. Damit ist jener Glückszustand gemeint, der sich aus dem Gefühl eines zutiefst mit Sinn erfüllten Lebens ergibt (man denke an Mutter Teresa o.ä.). Dagegen steht das so genannte hedonistische Wohlergehen, ein Gefühlszustand, der durch eher egoistische und momentane Bedürfnisbefriedigung erreicht wird (man denke an den ein oder anderen Wallstreet-Milliardär oder Hollywood-Star).

Wissenschaftler von der University of California, Los Angeles (UCLA) nahmen Blutproben von 80 erwachsenen Studienteilnehmern und bewerteten deren eudaimonisches und hedonistisches Wohlergehen sowie andere psychologische Faktoren. Gleichzeitig untersuchten sie, welche Auswirkungen diese auf die Expression bestimmter Gene haben, die Entzündung- und Immunreaktionen im Körper steuern.

Als Genexpression bezeichnet man im engeren Sinne die Art und Weise, wie die Information bestimmter Gene abgelesen und in die Realität umgesetzt werden. Nur weil man zum Beispiel ein bestimmtes Gen besitzt, welches das Brustkrebsrisiko erhöht, bedeutet dies noch lange nicht, dass dieses Gen auch in der Weise vom Körper interpretiert wird, dass hinterher eine Brustkrebserkrankung dabei herauskommt. Vielmehr wird die Genexpression vieler Gene auch durch Umweltfaktoren und durch unser Verhalten und unsere Gewohnheiten bestimmt.

Interessanterweise wirkten beide Teilnehmergruppen der Studie ähnlich glücklich und zufrieden – zumindest wenn man deren subjektiven Beschreibungen glaubt. Doch der Eindruck täuscht: jene Teilnehmer, die ein erhöhtes Gefühl der Sinnhaftigkeit und tiefen Zufriedenheit im Leben hatten (Eudaimonie) zeigten weitaus geringere Anzeichen für eine potentiell entzündlich wirkende Expression der Gene. Weiterhin ließ sich bei ihnen eine höhere immunrelevante Genexpression nachweisen, die z.B. die Bildung von Antikörpern und antiviralen Stoffen im Körper beeinflusst. Kurz gesagt: je sinnerfüllter und wahrhaft glücklicher das Leben, desto weniger anfällig ist der Körper für Erkrankungen. Wenn das mal keine gute Aussichten sind…

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Das glücklichste Volk der Welt

Der ehemalige Missionar und Sprachwissenschaftler Dan Everett lebte mehrere Jahre bei den Pirahã, einem kleinen Indianervolk aus dem Amazonasgebiet. Die Sprache der Pirahã hat einige linguistische Besonderheiten. So kennen sie keine Zahlen, sondern verwenden nur Begriffe für "eins" oder "viele". Auch gibt es in ihrer Sprache keine Vergangenheits- oder Zukunftsform. Das und die Lebensweise der Pirahã zeugt von einer gänzlich anderen Sicht auf das Leben; die Pirahã leben im Hier und Jetzt und kümmern sich weder groß um Vergangenes noch um das, was in der Zukunft passiert. Das wäre alles noch nicht so außergewöhnlich, würde Everett sie nicht als das glücklichste Volk der Welt bezeichnen. Darüber hat der Sprachwissenschaflter vor nicht allzu langer Zeit Buch geschrieben und veröffentlicht. Darin schildert er seine Erfahrungen mit den Pirahã, und berichtet darüber was dieses Volk so besonders macht. Als Vorgeschmack gibt es hier einen kurzen Fernsehbericht.

 

 

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Was braucht’s zum Glücklichsein?

Obwohl unser Leben durch neue Technologien und Infrastrukturen objektiv angenehmer und komfortabler geworden ist, sind die Menschen nicht glücklicher als früher. Im Gegenteil, oft hat es den Anschein, als würden uns genau diese alltäglichen Erleichterungen unglücklicher machen. Doch woran liegt das, und wo ist das Glück denn tatsächlich vergraben? Liegt es in der Zukunft? Sind wir glücklicher, wenn wir ein größeres Haus, ein schickeres Auto, mehr Prestige oder einen besser bezahlten Job haben? Wohl eher nicht. Laut dem Psychologen und Glücksforscher Dr. Matthew Killingsworth ist das Glück viel einfacher. Es liegt nicht in der Zukunft und es liegt auch nicht ausschließlich in unseren Lebensumständen. Das Glück liegt vielmehr genau vor uns, im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick.

Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre haben ergeben, dass Faktoren wie das Einkommen, das Geschlecht oder der Schulabschluss nur recht unzuverlässige Vorhersagen über das individuelle Glück treffen können. Um das individuelle Glücksempfinden und die tatsächlichen Gründe zu untersuchen, entwickelte Killingsworth daher eine iPhone-App mit dem Namen Track Your Happiness. Diese App sendet angemeldeten Benutzern zufällig über den Tag verteilt Nachrichten und befragt sie nach ihrem derzeitigen Glücksempfinden. Über die Monate sammelte Killingsworth so über 650.000 Echtzeit-Berichte von über 15.000 Benutzern unterschiedlicher Herkunft und gesellschaftlicher Schichten ein. Genug Daten, um dem Glück auf die Spur zu kommen.

Mind-wandering und Glücksempfinden

Ein Bereich, dem Killingsworth dabei besondere Beachtung schenkte, war das so genannte Mind-Wandering, was übersetzt so viel wie das Umherwandern des Geistes bedeutet. Damit ist ein Geisteszustand gemeint, bei dem man sich nicht auf die Aufgabe oder Tätigkeit konzentriert, die vor einem liegt, sondern bei dem man mit den Gedanken mal hierhin, mal dorthin schweift und nie ganz bei der Sache ist. Dieses Umherschweifen bzw. das genaue Gegenteil davon – die Achtsamkeit auf das, was gerade im Hier und Jetzt passiert – scheint laut Killingsworths Studie ein wesentlicher Faktor für das subjektive Glücksempfinden zu sein.

Selten sind wir wirklich achtsam in dem, was wir im Augenblick gerade tun. Egal, ob wir arbeiten, vor dem Computer sitzen, zu Mittag essen oder spazieren gehen. Meist sind wir mit unseren Gedanken anderweitig beschäftigt. Killingsworth wollte wissen, ob dies eventuell zum individuellen Glück oder Unglück des Menschen beitragen könnte. Mittels seiner App stellte er den Benutzern die folgenden drei Fragen:

  1. Wie fühlen Sie sich im Moment?
    (Auf einer Skala von "sehr unglücklich" bis "sehr glücklich".)
  2. Was tun Sie gerade?
    (Anhand einer Auswahl übergeordneter Aktivitäten, wie z.B. "Auf dem Weg zur Arbeit", "Essen", "Arbeiten", "Shoppen", "Haushalt machen", "Kindererziehung" etc. pp.)
  3. Denken Sie momentan an etwas anderes als an das, was Sie gerade tun?
    (Auswahlmöglichkeiten: "Nein.", "Ja, an etwas unangenehmes.", "Ja, an etwas angenehmes.", "Ja, an etwas neutrales.")

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Je achtsamer und präsenter ein Mensch bei der Sache ist desto höher ist sein Glücksempfinden. Wandern die Gedanken jedoch umher, ist das Glücksempfinden weitaus niedriger.


Unachtsamkeit verliert immer und überall

Nun könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass Menschen zumindest dann glücklicher in ihrem umherwandernden Geist sind, wenn sie damit einer eher unangenehmen, nicht gewollten Tätigkeit fliehen. Könnte es nicht sein, dass Tagträume und abschweifende Gedanken zumindest dann das Glück steigern, wenn wir gar nicht im Hier und Jetzt sein wollen? Die Antwort von Dr. Killingsworths Studie lautet eindeutig nein. Ganz gleich wie unangenehm uns die Aktivität erscheinen mag, die wir gerade tun (z.B. auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehen), wenn wir achtsam und fokussiert sind, sind wir glücklicher. Das trifft selbst dann zu, wenn man an etwas vermeintlich schöneres oder neutrales denkt. Und so vergleicht Killingsworth das Umherwandern des Geistes mit einem Glückspielautomaten, bei dem man entweder $50, $20 oder $1 verlieren kann – es macht einfach keinen Sinn an diesem Automaten zu spielen!

In seiner Studie konnte Killingsworth auch ausschließen, dass die Henne vor dem Ei da war: das Gefühl, unglücklich zu sein, folgte eindeutig auf das Umherwandern des Geistes und nicht umgekehrt. Mind-wandering ist also Ursache und nicht Folge des Unglücks. Damit unterstreicht die Studie im Prinzip das, was uns die mystischen Weisheitstraditionen dieser Welt, allen voran der Buddhismus, immer schon erzählt haben: das Glück liegt nicht im Reichtum, nicht in der Arbeit, nicht in einer glorreichen Zukunft – das Glück liegt im Augenblick, nirgends sonst.

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  • Happy von godoflite@sxc.hu

Schützt eine positive Lebenseinstellung vor Brustkrebs?

Glücklichsein ist eine bewusste Entscheidung!

Welch große Rolle Glücksgefühle und Optimismus bei der Überwindung einer Krebserkrankung spielen, zeigt eine neue Studie der Ben-Gurion Universität in Israel. Demnach verringert eine positive Lebenseinstellung das Krebsrisiko, wohingegen nachteilige Lebensumstände und negative Geschehnisse, wie der Verlust eines Elternteils oder nahen Verwandten, eine Scheidung oder der Verlust des Partners, das Risiko einer Brustkrebserkrankung bei Frauen erhöhen. 

Bei der Studie wurden 255 Frauen mit Brustkrebs und 367 gesunde Frauen (Kontrollgruppe) nach ihren Lebenserfahrungen befragt und mussten ihr Maß an Glück, Optimismus, Angst und Depression vor der Diagnose einschätzen. Der Leiter der Studie Dr. Ronit Peled fasst das Ergenis zusammen: "Junge Frauen, die einer Reihe negativer Lebenserfahrungen ausgesetzt waren, sollten als Risikogruppe für Brustkrebs betrachtet werden und dementsprechend behandelt werden."

 Auch wenn die Diagnose die Selbsteinschätzung der Frauen trüben könnte, so betont Peled: "Mit Vorsicht können wir sagen, dass ein ernstes und/oder leichtes bis mittelschweres Life Event (Lebensereignis mit hauptsächlich belastendem und lebensveränderndem Inhalt) ein Risikofaktor für Brustkrebs bei jungen Frauen ist. Auf der anderen Seite kann eine allgemeines Gefühl von Glück und Optimismus eine schützende Rolle spielen."

"Die Mechanismen nach denen das zentrale Nerven-, Hormon und Immunsystem interagieren und wie das Verhalten und externe Ereignisse auf diese drei Systeme wirken, ist noch nicht geklärt." Daher, so die Forscher, "sollte die Beziehung zwischen Glück und Gesundheit in weiteren Studien erforscht und wichtige Maßnahme zur Prävention entwickelt werden."

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