Archiv der Kategorie: Psyche

Wie wirkt sich die Psyche auf den Krebs und die Heilung aus?

Krebs: Die beste Strategie ist die eigene

Es gibt ein altmodisches Wort: Demut. Und das verstehe ich so, dass wir lernen können, unsere Wünsche dem Möglichen anzupassen. Vielen Patienten von uns gelingt das. Und die führen dann oft wieder ein sehr gutes Leben. Deswegen müssen Ärzte auch Sätze wie "Ich kann nichts mehr für Sie tun" oder "Es gibt keine Hoffnung" ein für alle Mal aus ihrem Repertoire streichen! Sie können immer etwas tun, und es gibt immer Hoffnung! Auch dann, wenn keine Aussicht auf Heilung besteht.

Ein Arzt mit Vorbildfunktion! Hier geht’s zum Rest des Interviews…

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„Aus der Wand“ – Buchrezension

Aus der Wand von Wolf-Peter Weinert

Paula Willms hat Darmkrebs. Nach einer erfolgreich verlaufenen Operation, bei der man ihr einen Teil des Darms entfernt hat, kommt der nächste Schock: Die benachbarten Lymphknoten sind von Metastasen befallen…

Paula Willms ist allein. Ihr Ehemann Carl, pendelt lethargisch zwischen Arbeitsplatz und Fernseher, Ihr erwachsener Sohn David ist zum Studieren in weite Ferne gezogen. Angst ist Paulas Grundgefühl und sie vermisst die innere Stärke und den Willen um wieder gesund zu werden. Als letzte Rettung erscheint ihr ein einsam gelegener See, den sie immer wieder aufsucht, und den sie oft vom Plateau einer großen, steilen Felswand aus betrachtet. Hier spürt Sie das letzte bisschen Freiheit, das letzte bisschen Selbstbestimmtheit. Doch diese Freiheit beruht zunächst noch auf der Möglichkeit, sich von der hohen Klippe stürzen oder in den dunklen See hinabsteigen zu können, sollte der Krebs Paula in die Knie zwingen. Paula erwartet nichts mehr vom Leben.

Hier am See trifft sie schließlich Thomas Bolder, den Mann „aus der Wand“. Thomas ist leidenschaftlicher Sportler und Kletterer und hat eine nicht minder schwere Vergangenheit hinter sich. Doch im Gegensatz zu Paula hat er den großen, dunklen Abgrund bereits überwunden und Wege gefunden, neuen Lebensmut zu schöpfen. Er hat die heilende Kraft der Natur, der Bewegung und der Meditation kennen gelernt und wird Paulas Lehrer. Mit seiner Hilfe lernt sie zu entspannen, die Gedanken an die Krankheit, den Tod und das missliche Leben sein zu lassen und die Zeit zu genießen. Die anfängliche Freiheit, sich für den Tod entscheiden zu können, wird zur Freiheit für das Leben. Und auch Thomas lernt durch seine neue Gefährtin. Trotz seiner schweren Vergangenheit öffnet er sich der Liebe für einen anderen Menschen und verspürt das Glück, das er lange Zeit nicht sehen wollte.

Der Autor Wolf-Peter Weinert beschreibt den gemeinsamen Weg der Protagonisten, der sich meist in der heilenden Umgebung des stillen Waldsees abspielt. Und das ist gut so, denn „Aus der Wand“ ist ein Buch der Hoffnung und der Heilung. Ein Buch, das die wesentlichen Fragen und Ängste eines von Krebs betroffenen Menschen beschreibt, aber auch, wie sich diese beantworten und überwinden lassen. Wie man den Willen und die Kraft zum Leben wiederfindet. Schritt für Schritt begleitet der Leser Paula Willms aus ihrer Verzweiflung hinaus in die Erkenntnis, dass die uns umgebende Welt auch eine Welt der Symbole ist, die uns etwas über unsere Ängste erzählen können. Eine meditative Verbindung mit der Natur, Bewegung und Eigenverantwortung – das sind Paula Willms Antworten auf die Frage, welche Heilungsmöglichkeiten sich aus diesen Symbolen ablesen lassen. Und auch wenn der von ihr beschrittene Weg fast Allgemeingültigkeit für eine Heilung hat – führt er doch mit ziemlicher Sicherheit in ein bewussteres, selbstbestimmteres Leben – so muss jeder Mensch seine eigenen Symbole, seinen eigenen Weg finden und sich die alles entscheidende Frage stellen, die auch Thomas Bolder ihr irgendwann stellt:

"Alle diese Behandlungen haben andere an dir geleistet. Ich frage dich: Was hat Paula Willms selbst gegen ihren Krebs unternommen? Was hast du selbst getan?“ … „Deine innere Kraft, dein Wille. Die Hilfe, die du selbst deinem Körper geben kannst. Du selbst bist wichtig. Ich glaube, dein Körper braucht vor allem dich, deine Unterstützung, deine Zuwendung, deine Liebe. All die anderen Therapeuten rangieren an zweiter Stelle. Du solltest dein oberster Therapeut sein. Und genau deswegen frage ich dich: Was hast du selbst gegen deinen Krebs getan?“

Autor und Hausarzt Wolf-Peter WeinertWie Thomas Bolder wechselt auch der Autor, übrigens praktizierender Hausarzt, gekonnt zwischen der Perspektive des einfühlsamen Kenners, dem die Abgründe und Ängste betroffener Menschen vertraut sind, und dem sachlichen Therapeuten, der eine ganz konkrete Anleitung und wichtige Schritte für die Gesundung zu vermitteln weiß. Dabei scheint er mehr als nur ein stiller Beobachter seiner Patienten zu sein. Wolf-Peter Weinert besitzt offensichtlich das, was viele gute Autoren und Therapeuten auszeichnet – die eigene Erfahrung der menschlichen Tiefe, genauso wie die Fähigkeit, schwere Lebenssituationen aus eigener Kraft heraus zu meistern. Nur ein Mensch, der selbst seine Erfahrungen gemacht hat, kann gegen Ende des Buchs wohl zu der Erkenntnis gelangen, dass das Gute zum Schlechten und das Schlechte zum Guten führen kann: 

Das Paradoxe ist, dachte sie, ohne den Krebs hätte ich dies alles nicht erlebt. Ohne Krebs keine Lebenskrise und ohne Lebenskrise keine Ausflüge zum Felsen am See… Ohne See keine Begegnung mit Thomas Bolder.

Einzig die Metapher vom Krebs als Feind, die Weinert gegen Ende seines Buchs verwendet, stößt mir persönlich etwas auf. Das liegt wohl an meinen eigenen Erfahrungen und an meiner Einstellung, dass der Krebs auch ein Symbol unserer ungeliebten Aspekte ist. Eine Schattenseite, die nicht bekämpft, sondern integriert werden möchte und eben dadurch ihre Bedrohung verliert. Ob diese Metapher passt, muss aber wohl jeder für sich selbst herausfinden. Heilung scheint auf beiden Wegen möglich. Auf jeden Fall spricht Weinert vielen Krebspatienten aus der Seele und stellt so jene Nähe her, die für das Buch von so großer Bedeutung ist.

Insgesamt ist dem Autor ein schweres Kunststück gelungen: Ein sensibles Buch über den Krebs, dass dennoch „zupackt“, optimistisch ist und Betroffenen einen beispielhaften Weg aus der Hoffnungslosigkeit zeigt. Paula Willms schafft es rückblickend, die Frage nach dem Sinn ihrer Erkrankung zu beantworten. Ein Sinn fernab von Selbstanschuldigungen oder einer möglichen Bestrafung durch höhere Mächte. Ein Sinn, der die Unergründlichkeit des Lebens wohl bewahrt, aber eine tiefere Kraft erkennen lässt, die in uns wirkt. Vielleicht weniger ein Sinn, als vielmehr eine Lebendigkeit, die sich ergibt, „indem man seiner Freude folgt, gewissermaßen auf eine Spur bringt, die immer schon da war und auf einen wartete…“ So schreibt es der berühmte Mythenforscher und Symbolkenner Joseph Campbell. Wenn man es so sehen kann, sagt Campbell, fängt man an, Menschen zu begegnen, die im „Feld der Freude“ sind und einem die Türen öffnen. So wie Paula Willms, die in einer schweren Zeit einen Kraftort und einen Menschen findet, die sie beide auf ihrem inneren Weg der Heilung begleiten. Wolf-Peter Weinerts Buch kann dabei helfen, sich ebenso wie Paula Willms auf diesen Weg einzustimmen und seinen Sinn und seine Freude für das Leben wiederzufinden. Sehr empfehlenswert!

Wolf-Peter Weinerts Buch ist im Verlag Leben & Schreiben erschienen und kann hier bestellt werden.

 

Weiterführende Links

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  • (1) Aus der Wand (Cover), Umschlagsgestaltung: Christel Lottmann, Illustrationen: Caroline Rothe
  • (2) Wolf-Peter Weinert, Verlag Leben & Schreiben

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Die Kraft aus dem Inneren: Motivation und Hoffnung für Krebspatienten

Eine aktuelle Terminmitteilung:

Heidelberg (humannews) – Auf Einladung der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr (GfBK) kommt der bekannte amerikanische Psychoonkologe Dr. O. Carl Simonton nach Deutschland. Am 21. und 23. Oktober berichtet er bei Vortragsveranstaltungen in Heidelberg und Stuttgart über den großen Einfluss der Psyche auf den Heilungsprozess bei Krebs und gibt am 25./26.10 ein Seminar für Patienten in Heidelberg.

Konzept der Visualisierung

Simonton stellt das von ihm entwickelte Konzept der Visualisierung vor. Mit der Visualisierung können sich Krebspatienten ihre inneren Kraftquellen vergegenwärtigen und so über die vom Arzt hinaus verordnete Behandlung ihre Gesundung mental unterstützen. Die Visualisierung ist inzwischen ein anerkanntes Instrument in der Psychoonkologie.

Mit Visualisierung meint Simonton die Vergegenwärtigung der eigenen Vorstellungen, die wir bewusst oder unbewusst produzieren. Simonton ist überzeugt, dass durch den Einklang von Meinungen, Gefühlen, Verhalten und Lebensstil eine Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele entsteht. Die ganzheitliche Harmonie ist ein wichtiger Faktor, der die Gesundheit beeinflusst. Für die Lenkung des Gesundungsprozesses ist es daher entscheidend, dass Patienten positive Ziele und Wünsche entwickeln, Glaubenssätze bilden und Mitverantwortung für ihre Gesundung übernehmen. Das sind innere Kraftquellen, die helfen, aktiv eine bessere Übereinstimmung mit den Bedürfnissen von Körper und Seele anzustreben.

Über O. Carl Simonton

Simonton arbeitet seit über dreißig Jahren mit Krebspatienten und zählt international zu den anerkanntesten Psychoonkologen. Er ist Facharzt für Strahlenkunde, Onkologe und Leiter des Simonton Cancer Centers in Malibu (USA). Weltweit orientieren sich Krebs- und Rehakliniken nach seinen Gesundheitskonzepten. Simontons Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Mit der Veranstaltung setzt die GfBK ihre lose Vortragsreihe über Erfahrungen, Behandlungen und Strategien bei Krebs fort. Die Referenten kommen aus unterschiedlichen Gebieten wie Medizin, Philosophie, Religion und Psychologie. Zuletzt hatte der bekannte Benediktinermönch Pater Anselm Grün bei der GFBK referiert.

Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. (GfBK)

Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. (GfBK) hat 25.000 Mitglieder und Förderer und ist damit die größte Beratungsorganisation für ganzheitliche Medizin gegen Krebs im deutschsprachigen Raum. Deie Arbeit wird ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und private Spenden finanziert. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat der GfBK das Spendensiegel zuerkannt.

Quelle: humannews.de

Bücher von O. Carl Simonton

  • Wieder gesund werden. Eine Anleitung zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte für Krebspatienten und ihre Angehörigen (bei Amazon bestellen)
  • Auf dem Wege der Besserung: Schritte zur körperlichen und spirituellen Heilung (bei Amazon bestellen)

 

Stigmatisierung in Psychiatrie und Medizin

Der Name Thomas Szasz war mir bisher gänzlich unbekannt. Jetzt, nachdem ich dieses englischsprachige Video gesehen habe, bin ich neugierig geworden.

Thomas Szasz ist Psychiater und Professor in New York. Er ist eine prominente Persönlichkeit der antipsychiatrischen Bewegung, die viele Grundannahmen und Behandlungskonzepte der modernen Psychiatrie kritisiert und in Frage stellt. In diesem Video geht es zwar um ADS und die Brandmarkung geistig "kranker" Menschen, doch in meinen Augen lässt sich vieles davon auch auf die moderne Medizin übertragen.

Bücher zum Thema

Schützt eine positive Lebenseinstellung vor Brustkrebs?

Glücklichsein ist eine bewusste Entscheidung!

Welch große Rolle Glücksgefühle und Optimismus bei der Überwindung einer Krebserkrankung spielen, zeigt eine neue Studie der Ben-Gurion Universität in Israel. Demnach verringert eine positive Lebenseinstellung das Krebsrisiko, wohingegen nachteilige Lebensumstände und negative Geschehnisse, wie der Verlust eines Elternteils oder nahen Verwandten, eine Scheidung oder der Verlust des Partners, das Risiko einer Brustkrebserkrankung bei Frauen erhöhen. 

Bei der Studie wurden 255 Frauen mit Brustkrebs und 367 gesunde Frauen (Kontrollgruppe) nach ihren Lebenserfahrungen befragt und mussten ihr Maß an Glück, Optimismus, Angst und Depression vor der Diagnose einschätzen. Der Leiter der Studie Dr. Ronit Peled fasst das Ergenis zusammen: "Junge Frauen, die einer Reihe negativer Lebenserfahrungen ausgesetzt waren, sollten als Risikogruppe für Brustkrebs betrachtet werden und dementsprechend behandelt werden."

 Auch wenn die Diagnose die Selbsteinschätzung der Frauen trüben könnte, so betont Peled: "Mit Vorsicht können wir sagen, dass ein ernstes und/oder leichtes bis mittelschweres Life Event (Lebensereignis mit hauptsächlich belastendem und lebensveränderndem Inhalt) ein Risikofaktor für Brustkrebs bei jungen Frauen ist. Auf der anderen Seite kann eine allgemeines Gefühl von Glück und Optimismus eine schützende Rolle spielen."

"Die Mechanismen nach denen das zentrale Nerven-, Hormon und Immunsystem interagieren und wie das Verhalten und externe Ereignisse auf diese drei Systeme wirken, ist noch nicht geklärt." Daher, so die Forscher, "sollte die Beziehung zwischen Glück und Gesundheit in weiteren Studien erforscht und wichtige Maßnahme zur Prävention entwickelt werden."

Weiterführende Links

Quellen