Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Was ist nötig zur integralen Gesundheit der Gesellschaft?

Studie beweist: Glück beeinflusst die Gene

Die Zeiten, in denen Emotionen etwas abfällig als Nebenprodukte des Gehirns ohne große Relevanz für die körperliche und gesundheitliche Realität betrachtet wurden, sind vorbei. In der letzten Woche haben Wissenschaftler einen weiteren wichtigen Hinweis auf die enge Verbindung von psychischem Wohlergehen und körperlicher Gesundheit veröffentlicht. Das Ergebnis ihrer Studie: das Glücksempfinden eines Menschen wirkt auf die Expression seiner Gene.

Wer nun glaubt, er könne dieses gesundheitliche Glück durch Anhäufung von mehr Geld und durch Befriedigung der eigenen Interessen erreichen (= Egoismus), ist schief gewickelt. Denn wie die Wissenschaftler herausfanden, stellt sich der gesundheitlich positive Effekt nur beim so genannten eudaimonischen Wohlergehen ein. Damit ist jener Glückszustand gemeint, der sich aus dem Gefühl eines zutiefst mit Sinn erfüllten Lebens ergibt (man denke an Mutter Teresa o.ä.). Dagegen steht das so genannte hedonistische Wohlergehen, ein Gefühlszustand, der durch eher egoistische und momentane Bedürfnisbefriedigung erreicht wird (man denke an den ein oder anderen Wallstreet-Milliardär oder Hollywood-Star).

Wissenschaftler von der University of California, Los Angeles (UCLA) nahmen Blutproben von 80 erwachsenen Studienteilnehmern und bewerteten deren eudaimonisches und hedonistisches Wohlergehen sowie andere psychologische Faktoren. Gleichzeitig untersuchten sie, welche Auswirkungen diese auf die Expression bestimmter Gene haben, die Entzündung- und Immunreaktionen im Körper steuern.

Als Genexpression bezeichnet man im engeren Sinne die Art und Weise, wie die Information bestimmter Gene abgelesen und in die Realität umgesetzt werden. Nur weil man zum Beispiel ein bestimmtes Gen besitzt, welches das Brustkrebsrisiko erhöht, bedeutet dies noch lange nicht, dass dieses Gen auch in der Weise vom Körper interpretiert wird, dass hinterher eine Brustkrebserkrankung dabei herauskommt. Vielmehr wird die Genexpression vieler Gene auch durch Umweltfaktoren und durch unser Verhalten und unsere Gewohnheiten bestimmt.

Interessanterweise wirkten beide Teilnehmergruppen der Studie ähnlich glücklich und zufrieden – zumindest wenn man deren subjektiven Beschreibungen glaubt. Doch der Eindruck täuscht: jene Teilnehmer, die ein erhöhtes Gefühl der Sinnhaftigkeit und tiefen Zufriedenheit im Leben hatten (Eudaimonie) zeigten weitaus geringere Anzeichen für eine potentiell entzündlich wirkende Expression der Gene. Weiterhin ließ sich bei ihnen eine höhere immunrelevante Genexpression nachweisen, die z.B. die Bildung von Antikörpern und antiviralen Stoffen im Körper beeinflusst. Kurz gesagt: je sinnerfüllter und wahrhaft glücklicher das Leben, desto weniger anfällig ist der Körper für Erkrankungen. Wenn das mal keine gute Aussichten sind…

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Angelina Jolie – weise Entscheidung oder Irrsinn?

Der folgende Artikel über die kürzliche Entscheidung der Schauspielerin Angelina Jolie, sich beide Brüste amputieren zu lassen, stammt von der Autorin und Krebs-Coachin Dr. Janey. Er erschien erstmals auf Ihrer Homepage Cancer Alive. Dank Ihrer freundlichen Genehmigung erscheint er nun übersetzt im Krebscafe. Weitere Informationen zu den Büchern und Coachings von Dr. Janey, finden Sie am Ende des Artikels.

Boulevardzeitungen und -magazine waren ganz aus dem Häuschen als die Hollywood-Schauspielerin kürzlich offenbarte, dass sie sich für eine beidseitige Mastektomie (Brustamputation) entschieden hatte, um ihr Risiko zu reduzieren, an Krebs zu erkranken. Bedenkt man ihren hohen Bekanntheitsgrad, so haben ihre Handlungen weitreichende Konsequenzen unter den Millionen von Fans auf der ganzen Welt. Doch wie weise war diese Entscheidung, eine so radikale Operation an einem ansonsten so gesunden Körper durchzuführen, tatsächlich?

Ihre Ärzte rieten Angelina dazu, da bei ihr aufgrund einer mutierten Form des BRCA1-Gens ein 87-prozentiges Risiko bestand, an Brustkrebs zu erkranken. Würde sie sich für eine beidseitige Brustamputation entscheiden, würde dieses Risiko auf unter 5 % sinken. In Anbetracht dieser Statistik ist es nicht überraschend, dass sie sich für die Operation entschied.

Geht man der Sache allerdings etwas auf den Grund, erfährt man, dass die Angabe von 87% von eben jener Firma stammt, die den Test für die Identifikation des mutierten BRCA1- und BRCA2-Gens entworfen hat, und die Millionen an dieser jüngsten Publicity-Welle verdienen könnte. Und was noch bedenklicher erscheint: genau diese Firma, deren profit-getriebene Motivation diese Statistik erzeugt hat, erlaubt es anderen medizinischen Labors nicht, ihre Testergebnisse zu überprüfen.

Nach Angaben des Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention haben tatsächlich nur 3-5% der an Krebs erkrankten Frauen ein mutiertes BRCA1-Gen. Weiteren Mut sollten Frauen aus der Tatsache schöpfen, dass dies nicht bedeutet, dass 3-5% aller Brustkrebspatientinnen dieses Gen von ihren Eltern oder Großeltern vererbt bekommen haben.

In Wahrheit hat unsere Umwelt einen weitaus größeren Einfluss auf unsere Genmutationen als es Vererbungsfaktoren haben. Es konnte nachgewiesen werden, dass echte Vererbung von "schlechten Genen" nur in etwa unter 5% der Fälle auftritt, während schädliche Umweltfaktoren zu einem Anteil von über sage und schreibe 95% zu einer Genmutation beitragen. *

Das sind natürlich großartige Neuigkeiten für uns, denn wir haben auf folgende Weise Kontrolle über diese Umweltfaktoren:

A) Wir können wählen, welche Art von Nahrung, wir uns zuführen und können uns dafür entscheiden, jene zu vermeiden, die verseucht ist mit Hormonen, Antibiotika, Herbiziden, Pestiziden etc.
B) Wir können uns sowohl über der Produkte schlau machen, die wir auf unsere Körper anwenden, als auch über die, die sich in unserer häuslichen Umgebung befinden. Und wir können dabei jene vermeiden, die schädliche Chemikalien und Konservierungsstoffe beinhalten, welche als Krebserreger bekannt sind.
C) Wir können lernen, unseren Körper zu reinigen und zu entgiften, was im Zuge dessen einen gesunden Boden schafft, auf dem es keinen Platz für Krebs gibt.
D) Wir können auch lernen, unsere emotionalen Muster weiser auszuwählen; ein wichtiger, jedoch oft übersehener Faktor, der zu Krankheiten aller Art, wie auch Krebs, beiträgt.

All diese oben genannten Faktoren haben einen Einfluss auf unseren zellulare Umgebung und letztendlich auf die Sauerstoffzufuhr unseres körperlichen Gewebes. Wie der Nobelpreisträger Otto Warburg sowie zahlreiche andere angesehene Ärzte und Wissenschaftler nachgewiesen haben, ist es der Entzug von Sauerstoff auf zellularer Ebene, der letztendlich dazu führt, dass Gene  mutieren und Krebszellen entstehen lassen. Wenn wir demnach lernen, diese Umweltfaktoren anzugehen, dann behandeln wir damit auch die Sauerstoffzufuhr unseres Gewebes und reduzieren damit gleichzeitig unser Risiko, an Krebs zu erkranken!

Wenn wir daher Frauen als Beispiele heranziehen, die in mehr als einer Familiengeneration Krebs diagnostiziert bekommen haben, und dies als Beweis anführen, dass Brustkrebs vererbar ist, ziehen wir falsche Schlüsse. Das Brustkrebsrisiko, das von einer zur nächsten Generation weitergegeben wird, beruht selten auf wahrer genetischer Vererbung, sondern vielmehr auf einer "Vererbung" ähnlicher nicht-konstruktiver Ernährungsgewohnheiten, Lebensstile und emotionaler Muster.

Leider ist dieser falsche Schluss, Brustkrebs wäre hauptsächlich eine Sache der Vererbung "schlechter Gene", ein folgenschwerer. Er lässt viele Frauen mit dem Gefühl zurück, sie seien hilflose Opfer ihrer eigenen Genetik, was wiederum ganz eigene fatale Konsequenzen hat. Sich der gefühlten Tatsache ergebend, dass Brustkrebs ihr wahrscheinliches Schicksal ist, versäumen es viele Frauen bezüglich der zahlreichen Umweltfaktoren, die eine signifikante Rolle bei der Krebsvorbeugung spielen, aktiv zu werden.

Eine weitere Konsequenz für viele Frauen, die mit diesem Glauben an die genetische Vorbestimmung für Brustkrebs leben, ist vielleicht noch folgenschwerer. Wenn wir die Kraft unseres Geistes verstehen und lernen, wie wir unsere eigene Realität durch die Auswahl unserer Gedanken erzeugen, erkennen wir, dass eben jene Frauen, die von ihrem Schicksal überzeugt sind, eines Tages Brustkrebs diagnostiziert zu bekommen, ihre Gedanken ungewollt in einer zutiefst schädlichen Weise nutzen, nämlich um die Bühne für die Realität vorzubereiten, die sie am meisten fürchten!

Und als wäre das nicht schlimm genug, erleben wir den Fehler dieser gewählten Brustamputationen dann, wenn die Frauen, die sich dieser verstümmelnden Operation unterziehen, trotzdem dem Krebs erliegen. Warum? Ganz einfach, weil Krebs nicht gleich Tumor bedeutet! Der Tumor ist nur ein Symptom, und das Symptom (Tumor) – oder in diesem Fall das Gewebe, das den Tumor wahrscheinlich beherbergen wird – zu entfernen, schießt völlig am Ziel vorbei. Die wahre Krankheit ist der Mangel an Sauerstoff, und genau hierauf sollten wir uns konzentrieren.

Andreas Moritz fasst das Thema Gene und Krebs vielleicht am besten zusammen, wenn er sagt: "Krebs war immer eine extrem seltene Krankheit, außer in den Industrienationen während der letzten 40-50 Jahre. Menschliche Gene haben über tausende von Jahren nicht wesentlich geändert. Warum sollten sie sich jetzt so drastisch ändern, und plötzlich Unmengen von Menschen töten?……jeder gute Genforscher würde ihnen erzählen, dass so ein Glaube jeder Logik entbehrt und schlicht unwissenschaftlich ist." **

Zusammenfassen kann man sagen: sich auf die Genetik zu verlassen, um das eigene Risiko für Brustkrebs einzuschätzen, hat nicht nur ernste Konsequenzen, es ist auch wissenschaftlich nicht haltbar.

Wie unendlich besser ist es daher zu wissen, dass man die Umweltfaktoren, die das Risiko beeinflussen, an Brustkrebs (oder einem anderen Krebs) zu erkranken, selbst bestimmt. Im Gegensatz zu einem Leben voller Angst, dass man das nächste Opfer des genetischen Würfelspiels werden könnte.
 

Dr. Janey ist Krebs-Coach und Autorin. Auf ihrer Homepage Cancer Alive finden sich weitere spannende und informative Artikel, sowie eine Übersicht über das von ihr empfohlene 7-Punkte-Programm bei Krebs. Weiterhin findet sich dort ein Shop mit verschiedenen Produkten, wie z.B. ihrem Buch You Can Heal Yourself From Cancer Now! (auch als eBook erhältlich).

* Anm. d. Krebscafes: Das National Cancer Insitute (NCI) schreibt dazu auf seiner Website:
"Es ist wichtig zu bedenken, das die meiste Forschung bezüglich BRCA1 und BRCA2 an großen Familien mit vielen von Krebs betroffenen Individuen durchgeführt wurde. Schätzungen bzgl. mit BRCA1- und BRCA2-assoziertem Brust- und Eierstockkrebs wurden aus den Studien an eben diesen Familien erstellt. Da Familienmitglieder einen Teil ihrer Gene, und oft auch ihres Umfelds, weitergeben, ist es möglich, dass ein großer Teil der Krebsfälle in diesen Familien teilweise auf anderen genetischen oder umgebungsbedingten Faktoren beruht. Demzufolge könnten die Risikobewertungen, die auf diesen Familien mit vielen Betroffenen Mitgliedern beruhen, nicht das genaue Risiko für Träger von BRCA1- und BRCA2-Mutationen in der allgemeinen Bevölkerung widerspiegeln. Weiterhin sind keine Daten aus Langzeitstudien an der Allgemeinbevölkerung vorhanden, die das Krebsrisiko von Frauen, die eine schädliche BRCA1- oder BRCA2-Mutation besitzen, mit jenen vergleicht, die keine solche Mutation haben. Folglich sind die oben genannten Prozentwerte Schätzungen, die sich ändern können, sobald weitere Daten dazu erhältlich sind."

**Anm. d. Krebscafes: Wie Siddhartha Mukherjee in seinem Buch Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie überzeugend darlegt, ist ein Teil dieses häufigeren Auftretens von Krebs
zum einen auf die drastisch verlängerte Lebenserwartung des Menschen zurück zu führen (Zitat aus dem o.a. Buch: "Das Brustkrebsrisiko zum Beispiel beträgt bei einer dreißigjährigen Frau ungefähr 1 zu 400, bei einer siebzigjährigen bereits 1 zu 9. In den meisten antiken Gesellschaften lebten die Menschen einfach nicht lang genug, um an Krebs zu erkranken, sie wurden schon vorher von Schwindsucht, Ödemen, Cholera, Pocken, Lepra, Pest oder Lungenentzündung dahingerafft."). Zum anderen sind die Diagnosemethoden wesentlich genauer geworden. Während man früher vielleicht nur jene Krebsfälle diagnostizierte, die offensichtlich nach außen traten oder durch eine Obduktion festgestellt wurden, gibt es heute allerhand Früherkennungssysteme, durch die die Zahl der mit Krebs diagnostizierten Personen immens angestiegen ist.
Dennoch muss man Andreas Moritz teilweise recht geben, die steigenden Krebsfälle sind sicher nicht allein durch die oben genannten Umstände zu erklären. Und so gibt es noch einen weiteren Faktor, den auch Siddhartha Mukherjee nicht außer acht lässt: die "veränderten Strukturen des modernen Lebens [haben] das Spektrum der Krebsarten beträchtlich verschoben", so Mukherjee in seiner Biografie über den Krebs. Diese veränderten Strukturen, möchten wir hinzufügen, lassen Krebs mit allergrößter Wahrscheinlichkeit heutzutage häufiger auftreten.

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Das glücklichste Volk der Welt

Der ehemalige Missionar und Sprachwissenschaftler Dan Everett lebte mehrere Jahre bei den Pirahã, einem kleinen Indianervolk aus dem Amazonasgebiet. Die Sprache der Pirahã hat einige linguistische Besonderheiten. So kennen sie keine Zahlen, sondern verwenden nur Begriffe für "eins" oder "viele". Auch gibt es in ihrer Sprache keine Vergangenheits- oder Zukunftsform. Das und die Lebensweise der Pirahã zeugt von einer gänzlich anderen Sicht auf das Leben; die Pirahã leben im Hier und Jetzt und kümmern sich weder groß um Vergangenes noch um das, was in der Zukunft passiert. Das wäre alles noch nicht so außergewöhnlich, würde Everett sie nicht als das glücklichste Volk der Welt bezeichnen. Darüber hat der Sprachwissenschaflter vor nicht allzu langer Zeit Buch geschrieben und veröffentlicht. Darin schildert er seine Erfahrungen mit den Pirahã, und berichtet darüber was dieses Volk so besonders macht. Als Vorgeschmack gibt es hier einen kurzen Fernsehbericht.

 

 

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Wissenschaftler fordern: Neudefinition von Krebs und Früherkennung

 

Es ist schon paradox, die Mittel zur Krebsfrüherkennung werden immer ausgefeilter und die Zahl der Früherkennungen steigt mit jedem Jahr an. Dennoch gibt es heute wie damals genauso viele fortgeschrittene Krebsfälle und Menschen, die an dieser Krankheit sterben. Das Ziel der Krebsfrüherkennung wurde somit nicht erreicht, bemängelt eine Arbeitsgruppe des US-amerikanischen Nationalen Krebsinstituts (NCI) in der neusten Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift JAMA. Krebs würde zu häufig diagnostiziert und somit auch zu häufig behandelt, selbst wenn dies gar nicht nötig sei.

Nicht jeder Krebs bildet Metastasen und auch nicht jeder Krebs endet unbehandelt mit dem Tod des Patienten, so die Autoren des Artikels. Mancher Krebs würde ohne Screening ein Leben lang unentdeckt bleiben und auch keine Probleme verursachen. Während die Früherkennung bei manchen Krebsarten, wie z.B. Darm- und Gebärmutterhalskrebs, offensichtlich zu einem Rückgang der fortgeschrittenen Krebsfälle geführt hat, ist dieser Erfolg bei anderen Krebsarten ausgeblieben. Weiterhin macht das häufig zeitnahe Screening bei schnell fortschreitendem Krebs laut den Autoren selten Sinn. Es ist eher für langsam fortschreitende Erkrankungen sowie Fälle geeignet, in denen bisher lediglich präkanzerose Gewebsveränderungen festgestellt wurden.

 

"Ärzte, Patienten und die allgemeine Öffentlichkeit müssen wissen, dass eine übermäßige Diagnosestellung verbreitet ist und häufiger im Rahmen von Krebsfrüherkennungen passiert. Die Überdiagnose, oder auch die Feststellung von indolentem Krebs, kommt häufig bei Brust-, Lungen-, Prostata- und Schilddrüsenkrebs vor."
Overdiagnosis and Overtreatment in Cancer, JAMA, July 29, 2013

 

Die Arbeitsgruppe des NIC bemängelt auch, dass die steigende Früherkennungsrate bei einigen Krebsarten zu einer übermäßigen und nicht immer sinnvollen Behandlung führen kann. Denn wer einmal das Stigma "Krebs" auf die Stirn geschrieben bekommen hat, kommt aus dem riesigen modern-medizinischen Behandlungsapparat oft so schnell nicht wieder heraus. Dabei hätten viele der diagnostizierten und behandelten Krebserkrankungen den Patienten vielleicht nie Probleme bereitet. Das Problem entsteht manchmal erst durch die allzu eilige Früherkennung.

Die NIC-Arbeitsgruppe schlägt daher vor, das derzeitige Früherkennungssystem zu überdenken und zu verändern. Ein ideales Screening konzentriere sich auf die Erkennung von Erkrankungen, die tatsächlich Schädigungen und Leid verursachen, und die sich im frühen Krankheitsstadium leichter behandeln lassen. Die Autoren gehen sogar noch einen Schritt weiter und plädieren dafür, den Begriff "Krebs" nur für solche krankhaften Gewebsveränderungen zu verwenden, bei denen unter Ausschluss einer Behandlung ein tödlicher Verlauf möglich ist. Präkanzeröse Veränderungen sollten weder als Krebs bezeichnet werden, noch diesen in irgendeiner Form in ihrem Namen tragen. Außerdem sollten Diagnosemittel für die Erkennung von indolentem Krebs (z.B. gutartige Tumore oder Krebs mit niedrigerem Gefährdungspotential für den Patienten) entsprechend angepasst und überprüft werden.

Das Krebscafe meint: Die Schritte, die die Arbeitsgruppe im Fachmagazin JAMA vorschlägt, sind sehr zu begrüßen. Denn letztlich geht es bei Krebs nicht nur darum, die Krankheit zu heilen. Es geht im Angesicht der fortschreitenden Erkenntnisse über diese Erkrankung auch darum, immer wieder neu zu definieren, was Krebs denn überhaupt ist und welche Behandlungsoptionen sich daraus ergeben. Die Stigmatisierung in unserer Gesellschaft mit dem Begriff "Krebs" muss aufhören. Denn nicht jeder Mensch, bei dem Krebs festgestellt wird, ringt mit dem Tod, und nicht bei jedem Patienten ist eine aggressive Behandlung im schulmedizinischen Sinne angebracht. Viele Mediziner und Wissenschaftler reden seit Jahren vom Krebs als eine immer besser zu kontrollierende und den Patienten oft kaum noch einschränkende Erkrankung. Diesen Worten sollten nun Taten folgen und die schulmedizinische Einstellung zur Früherkennung, Klassifizierung und Behandlung von Krebserkrankungen überdacht werden.

 

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Wie gefährlich sind Handys wirklich?

Bisher konnten Wissenschaftler keinen klaren Zusammenhang zwischen häufiger Handynutzung und eine erhöhten Krebsrisiko feststellen. Und so werden Mobilfunktelefone von offzieller Seite lediglich als potenziell karzinogen eingestuft. Das könnte sich mit einer neuen Studie aus Tel Aviv nun ändern.

Gemeinsam mit Kollegen der HNO-Chirurgieabteilung des Rabin Medical Centers suchten Wissenschaftler der University of Tel Aviv nach Hinweisen, die einen Zusammenhang zwischen oxidativem Stress und häufiger Handynutzung offenbaren. Da sich Handys beim Telefonieren in unmittelbarer Nähe zu den Speicheldrüsen befinden, vermuteten die Forscher, hier fündig zu werden. Im Rahmen der Studie nahmen sie daher Speichelproben von 20 Versuchspersonen, die seit mehreren Jahren ein Handy besitzen und damit im Monat mindestens 8 Stunden telefonieren. Die meisten Versuchspersonen telefonierten sogar mehr als 30 Stunden. Als Vergleich diente eine Gruppe gehörloser Personen, die nicht mit dem Handy telefonierte.

Wie erwartet fanden die Wissenschaftler deutlich erhöhte Werte für oxidativen Stress im Speichel der Vieltelefonierer. "Dies deutet darauf hin, dass ein beträchtlicher oxidativer Stress auf die Gewebe und Drüsen wirkt, die sich während der Nutzung in der Nähe des Mobilfunktelefons befinden.", so Dr. Hamzany, einer der Wissenschaftler. Oxidativer Stress wird mit Schädigungen der Zellen und krankhaften Veränderungen der DNA in Verbindung gebracht.

Leider gibt auch die Studie aus Tel Aviv noch keine endgültige Antwort darauf, ob Handys das Krebsrisiko erhöhen oder nicht. Die Hinweise darauf verdichten sich jedoch damit. Wer sicher gehen will, sollte das Handy nur benutzen, wenn es wirklich nötig ist. Neuere Handys verfügen weiterhin über eine Freisprech- oder Lautsprecherfunktion. Damit lässt sich auch aus größerer Entfernung zum Handy telefonieren. Antioxidativ wirksame Lebensmittel und Nahrungsergänzungen helfen dabei, den oxidativen Stress gering zu halten.

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Was braucht’s zum Glücklichsein?

Obwohl unser Leben durch neue Technologien und Infrastrukturen objektiv angenehmer und komfortabler geworden ist, sind die Menschen nicht glücklicher als früher. Im Gegenteil, oft hat es den Anschein, als würden uns genau diese alltäglichen Erleichterungen unglücklicher machen. Doch woran liegt das, und wo ist das Glück denn tatsächlich vergraben? Liegt es in der Zukunft? Sind wir glücklicher, wenn wir ein größeres Haus, ein schickeres Auto, mehr Prestige oder einen besser bezahlten Job haben? Wohl eher nicht. Laut dem Psychologen und Glücksforscher Dr. Matthew Killingsworth ist das Glück viel einfacher. Es liegt nicht in der Zukunft und es liegt auch nicht ausschließlich in unseren Lebensumständen. Das Glück liegt vielmehr genau vor uns, im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick.

Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre haben ergeben, dass Faktoren wie das Einkommen, das Geschlecht oder der Schulabschluss nur recht unzuverlässige Vorhersagen über das individuelle Glück treffen können. Um das individuelle Glücksempfinden und die tatsächlichen Gründe zu untersuchen, entwickelte Killingsworth daher eine iPhone-App mit dem Namen Track Your Happiness. Diese App sendet angemeldeten Benutzern zufällig über den Tag verteilt Nachrichten und befragt sie nach ihrem derzeitigen Glücksempfinden. Über die Monate sammelte Killingsworth so über 650.000 Echtzeit-Berichte von über 15.000 Benutzern unterschiedlicher Herkunft und gesellschaftlicher Schichten ein. Genug Daten, um dem Glück auf die Spur zu kommen.

Mind-wandering und Glücksempfinden

Ein Bereich, dem Killingsworth dabei besondere Beachtung schenkte, war das so genannte Mind-Wandering, was übersetzt so viel wie das Umherwandern des Geistes bedeutet. Damit ist ein Geisteszustand gemeint, bei dem man sich nicht auf die Aufgabe oder Tätigkeit konzentriert, die vor einem liegt, sondern bei dem man mit den Gedanken mal hierhin, mal dorthin schweift und nie ganz bei der Sache ist. Dieses Umherschweifen bzw. das genaue Gegenteil davon – die Achtsamkeit auf das, was gerade im Hier und Jetzt passiert – scheint laut Killingsworths Studie ein wesentlicher Faktor für das subjektive Glücksempfinden zu sein.

Selten sind wir wirklich achtsam in dem, was wir im Augenblick gerade tun. Egal, ob wir arbeiten, vor dem Computer sitzen, zu Mittag essen oder spazieren gehen. Meist sind wir mit unseren Gedanken anderweitig beschäftigt. Killingsworth wollte wissen, ob dies eventuell zum individuellen Glück oder Unglück des Menschen beitragen könnte. Mittels seiner App stellte er den Benutzern die folgenden drei Fragen:

  1. Wie fühlen Sie sich im Moment?
    (Auf einer Skala von "sehr unglücklich" bis "sehr glücklich".)
  2. Was tun Sie gerade?
    (Anhand einer Auswahl übergeordneter Aktivitäten, wie z.B. "Auf dem Weg zur Arbeit", "Essen", "Arbeiten", "Shoppen", "Haushalt machen", "Kindererziehung" etc. pp.)
  3. Denken Sie momentan an etwas anderes als an das, was Sie gerade tun?
    (Auswahlmöglichkeiten: "Nein.", "Ja, an etwas unangenehmes.", "Ja, an etwas angenehmes.", "Ja, an etwas neutrales.")

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Je achtsamer und präsenter ein Mensch bei der Sache ist desto höher ist sein Glücksempfinden. Wandern die Gedanken jedoch umher, ist das Glücksempfinden weitaus niedriger.


Unachtsamkeit verliert immer und überall

Nun könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass Menschen zumindest dann glücklicher in ihrem umherwandernden Geist sind, wenn sie damit einer eher unangenehmen, nicht gewollten Tätigkeit fliehen. Könnte es nicht sein, dass Tagträume und abschweifende Gedanken zumindest dann das Glück steigern, wenn wir gar nicht im Hier und Jetzt sein wollen? Die Antwort von Dr. Killingsworths Studie lautet eindeutig nein. Ganz gleich wie unangenehm uns die Aktivität erscheinen mag, die wir gerade tun (z.B. auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehen), wenn wir achtsam und fokussiert sind, sind wir glücklicher. Das trifft selbst dann zu, wenn man an etwas vermeintlich schöneres oder neutrales denkt. Und so vergleicht Killingsworth das Umherwandern des Geistes mit einem Glückspielautomaten, bei dem man entweder $50, $20 oder $1 verlieren kann – es macht einfach keinen Sinn an diesem Automaten zu spielen!

In seiner Studie konnte Killingsworth auch ausschließen, dass die Henne vor dem Ei da war: das Gefühl, unglücklich zu sein, folgte eindeutig auf das Umherwandern des Geistes und nicht umgekehrt. Mind-wandering ist also Ursache und nicht Folge des Unglücks. Damit unterstreicht die Studie im Prinzip das, was uns die mystischen Weisheitstraditionen dieser Welt, allen voran der Buddhismus, immer schon erzählt haben: das Glück liegt nicht im Reichtum, nicht in der Arbeit, nicht in einer glorreichen Zukunft – das Glück liegt im Augenblick, nirgends sonst.

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  • Happy von godoflite@sxc.hu

Wolf Schneider: Meine Mutter

Gefunden in Wolf Schneiders »Tagebuch fürs Wesentliche«:

Meine Mutter

Heute morgen ist meine Mutter gestorben. Gegen Mittag war ich bei ihr, ich durfte noch eine halbe Stunde dort sein, eh sie abtransportiert wurde in den Kühlraum. So bei ihr zu sitzen, wie sie so still dalag – wunderbar! Schon auf der Herfahrt und dann auch dort bei ihr weinte ich viel – ein erlösendes Schluchzen, das sich wie ein warmer Regen über mich ergoss, der so vieles wegspült und die Erde tränkt. 87 Jahre hat sie gelebt, das ist genug. »Ich will nicht mehr«, hatte sie so oft gesagt in den letzten Tagen.

Ein kafkaeskes System

Das Krankenhaus drumrum, in das sie leider eingeliefert werden musste, ist ein riesiger Betrieb mit so vielen Automatismen. So vieles daran wird den Menschen nicht gerecht. Sie bewegen sich daran wie Gestalten in einem Roman von Kafka, die Dinge tun, weil »es so sein muss« Vom Essen, über die Hygiene bis zum Maschinenaufwand und den ärztlichen Entscheidungen ist das Krankenhaus ein riesiger Apparat, der die Menschen, Personal wie Patienten, in sich aufnimmt und dann wieder ausspuckt, tot oder lebendig.

Um 9.30 h hatte ich per Telefon von meiner Schwester erfahren, dass meine Mutter in der Nacht gestorben war. Rief dann gleich am Krankenhaus an, noch weinend (aber doch klar genug sprechend), ob ich noch bei ihr sein dürfe, meine Schwester habe mir gesagt, sie würde dort nur bis 11 h liegen, und ich brauche doch zwei Stunden mit dem Auto. »Warum rühren Sie sich erst jetzt, sie haben doch schon um 7 Uhr Bescheid bekommen!«, ranzte mich die Frau am Telefon an, so wie man in einem Internat einen Schüler maßregelt, der die Ausgangszeiten nicht eingehalten hat. Schließlich wurde mir die Gnade gewährt, dass sie noch bis 13 dort liegen würde. Und dann um 13 h, eine andere Person, ganz jovial: »Ach, auf die zehn Minuten kommt es nun auch nicht an!«

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Christopher Hitchens on ABC1 Lateline

Christopher Hitchens ist hierzulande nicht sehr bekannt. In den USA sieht das jedoch anders aus: Sein investigativer Journalismus und nicht zuletzt seine Rolle als – im positivsten Sinne des Wortes – streitbarer Atheist, haben ihn im englischsprachigen Ausland berühmt gemacht. Im Juni 2010 wurde bei Christopher Hitchens Speiseröhrenkrebs diagnostiziert. In diesem Interview spricht er über seine Erfahrung mit der Krankheit und die Versuche der Menschen, ihn im Angesicht des Todes zum Glauben zu bekehren.

Warum Positives Denken nicht immer gut ist

Warum positiv Denken nicht immer gut ist

Als Barbara Ehrenreich Ihren Brustkrebs behandeln ließ, wurde sie dazu angemahnt "positiv" zu denken; und als sie Gefühle wie Angst und Wut äußerte, wurde sie als "negativ" abgestempelt.

Ehrenreich, Autorin von 16 Büchern, nimmt sich in ihrem neuen Buch Bright-Sided: How the Relentless Promotion of Positive Thinking Has Undermined America einer Sache an, die sie die Epidemie des Positiven Denkens nennt.

Positives Denken, so sagt sie, ist etwas anderes als freundlich oder fröhlich zu sein – es ist der Glaube, dass die Welt von unseren Bedürfnissen und Wünschen geformt wird und dass das Schlechte durch die Konzentration auf das Gute aufhört zu existieren.

Ehrenreich glaubt, dass dieses Denken unsere Kultur durchdrungen hat und dass die Weigerung anzuerkennen, dass schlechte Dinge passieren können, in gewisser Weise für die derzeitige Finanzkrise verantwortlich sind.

Die Internetseite AlterNet hat mit der Autorin ein interessantes Interview (auf Englisch) geführt.

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