Archiv der Kategorie: Forschung und Wissenschaft

Neues aus der Welt der Wissenschaft.

Studie beweist: Glück beeinflusst die Gene

Die Zeiten, in denen Emotionen etwas abfällig als Nebenprodukte des Gehirns ohne große Relevanz für die körperliche und gesundheitliche Realität betrachtet wurden, sind vorbei. In der letzten Woche haben Wissenschaftler einen weiteren wichtigen Hinweis auf die enge Verbindung von psychischem Wohlergehen und körperlicher Gesundheit veröffentlicht. Das Ergebnis ihrer Studie: das Glücksempfinden eines Menschen wirkt auf die Expression seiner Gene.

Wer nun glaubt, er könne dieses gesundheitliche Glück durch Anhäufung von mehr Geld und durch Befriedigung der eigenen Interessen erreichen (= Egoismus), ist schief gewickelt. Denn wie die Wissenschaftler herausfanden, stellt sich der gesundheitlich positive Effekt nur beim so genannten eudaimonischen Wohlergehen ein. Damit ist jener Glückszustand gemeint, der sich aus dem Gefühl eines zutiefst mit Sinn erfüllten Lebens ergibt (man denke an Mutter Teresa o.ä.). Dagegen steht das so genannte hedonistische Wohlergehen, ein Gefühlszustand, der durch eher egoistische und momentane Bedürfnisbefriedigung erreicht wird (man denke an den ein oder anderen Wallstreet-Milliardär oder Hollywood-Star).

Wissenschaftler von der University of California, Los Angeles (UCLA) nahmen Blutproben von 80 erwachsenen Studienteilnehmern und bewerteten deren eudaimonisches und hedonistisches Wohlergehen sowie andere psychologische Faktoren. Gleichzeitig untersuchten sie, welche Auswirkungen diese auf die Expression bestimmter Gene haben, die Entzündung- und Immunreaktionen im Körper steuern.

Als Genexpression bezeichnet man im engeren Sinne die Art und Weise, wie die Information bestimmter Gene abgelesen und in die Realität umgesetzt werden. Nur weil man zum Beispiel ein bestimmtes Gen besitzt, welches das Brustkrebsrisiko erhöht, bedeutet dies noch lange nicht, dass dieses Gen auch in der Weise vom Körper interpretiert wird, dass hinterher eine Brustkrebserkrankung dabei herauskommt. Vielmehr wird die Genexpression vieler Gene auch durch Umweltfaktoren und durch unser Verhalten und unsere Gewohnheiten bestimmt.

Interessanterweise wirkten beide Teilnehmergruppen der Studie ähnlich glücklich und zufrieden – zumindest wenn man deren subjektiven Beschreibungen glaubt. Doch der Eindruck täuscht: jene Teilnehmer, die ein erhöhtes Gefühl der Sinnhaftigkeit und tiefen Zufriedenheit im Leben hatten (Eudaimonie) zeigten weitaus geringere Anzeichen für eine potentiell entzündlich wirkende Expression der Gene. Weiterhin ließ sich bei ihnen eine höhere immunrelevante Genexpression nachweisen, die z.B. die Bildung von Antikörpern und antiviralen Stoffen im Körper beeinflusst. Kurz gesagt: je sinnerfüllter und wahrhaft glücklicher das Leben, desto weniger anfällig ist der Körper für Erkrankungen. Wenn das mal keine gute Aussichten sind…

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Angelina Jolie – weise Entscheidung oder Irrsinn?

Der folgende Artikel über die kürzliche Entscheidung der Schauspielerin Angelina Jolie, sich beide Brüste amputieren zu lassen, stammt von der Autorin und Krebs-Coachin Dr. Janey. Er erschien erstmals auf Ihrer Homepage Cancer Alive. Dank Ihrer freundlichen Genehmigung erscheint er nun übersetzt im Krebscafe. Weitere Informationen zu den Büchern und Coachings von Dr. Janey, finden Sie am Ende des Artikels.

Boulevardzeitungen und -magazine waren ganz aus dem Häuschen als die Hollywood-Schauspielerin kürzlich offenbarte, dass sie sich für eine beidseitige Mastektomie (Brustamputation) entschieden hatte, um ihr Risiko zu reduzieren, an Krebs zu erkranken. Bedenkt man ihren hohen Bekanntheitsgrad, so haben ihre Handlungen weitreichende Konsequenzen unter den Millionen von Fans auf der ganzen Welt. Doch wie weise war diese Entscheidung, eine so radikale Operation an einem ansonsten so gesunden Körper durchzuführen, tatsächlich?

Ihre Ärzte rieten Angelina dazu, da bei ihr aufgrund einer mutierten Form des BRCA1-Gens ein 87-prozentiges Risiko bestand, an Brustkrebs zu erkranken. Würde sie sich für eine beidseitige Brustamputation entscheiden, würde dieses Risiko auf unter 5 % sinken. In Anbetracht dieser Statistik ist es nicht überraschend, dass sie sich für die Operation entschied.

Geht man der Sache allerdings etwas auf den Grund, erfährt man, dass die Angabe von 87% von eben jener Firma stammt, die den Test für die Identifikation des mutierten BRCA1- und BRCA2-Gens entworfen hat, und die Millionen an dieser jüngsten Publicity-Welle verdienen könnte. Und was noch bedenklicher erscheint: genau diese Firma, deren profit-getriebene Motivation diese Statistik erzeugt hat, erlaubt es anderen medizinischen Labors nicht, ihre Testergebnisse zu überprüfen.

Nach Angaben des Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention haben tatsächlich nur 3-5% der an Krebs erkrankten Frauen ein mutiertes BRCA1-Gen. Weiteren Mut sollten Frauen aus der Tatsache schöpfen, dass dies nicht bedeutet, dass 3-5% aller Brustkrebspatientinnen dieses Gen von ihren Eltern oder Großeltern vererbt bekommen haben.

In Wahrheit hat unsere Umwelt einen weitaus größeren Einfluss auf unsere Genmutationen als es Vererbungsfaktoren haben. Es konnte nachgewiesen werden, dass echte Vererbung von "schlechten Genen" nur in etwa unter 5% der Fälle auftritt, während schädliche Umweltfaktoren zu einem Anteil von über sage und schreibe 95% zu einer Genmutation beitragen. *

Das sind natürlich großartige Neuigkeiten für uns, denn wir haben auf folgende Weise Kontrolle über diese Umweltfaktoren:

A) Wir können wählen, welche Art von Nahrung, wir uns zuführen und können uns dafür entscheiden, jene zu vermeiden, die verseucht ist mit Hormonen, Antibiotika, Herbiziden, Pestiziden etc.
B) Wir können uns sowohl über der Produkte schlau machen, die wir auf unsere Körper anwenden, als auch über die, die sich in unserer häuslichen Umgebung befinden. Und wir können dabei jene vermeiden, die schädliche Chemikalien und Konservierungsstoffe beinhalten, welche als Krebserreger bekannt sind.
C) Wir können lernen, unseren Körper zu reinigen und zu entgiften, was im Zuge dessen einen gesunden Boden schafft, auf dem es keinen Platz für Krebs gibt.
D) Wir können auch lernen, unsere emotionalen Muster weiser auszuwählen; ein wichtiger, jedoch oft übersehener Faktor, der zu Krankheiten aller Art, wie auch Krebs, beiträgt.

All diese oben genannten Faktoren haben einen Einfluss auf unseren zellulare Umgebung und letztendlich auf die Sauerstoffzufuhr unseres körperlichen Gewebes. Wie der Nobelpreisträger Otto Warburg sowie zahlreiche andere angesehene Ärzte und Wissenschaftler nachgewiesen haben, ist es der Entzug von Sauerstoff auf zellularer Ebene, der letztendlich dazu führt, dass Gene  mutieren und Krebszellen entstehen lassen. Wenn wir demnach lernen, diese Umweltfaktoren anzugehen, dann behandeln wir damit auch die Sauerstoffzufuhr unseres Gewebes und reduzieren damit gleichzeitig unser Risiko, an Krebs zu erkranken!

Wenn wir daher Frauen als Beispiele heranziehen, die in mehr als einer Familiengeneration Krebs diagnostiziert bekommen haben, und dies als Beweis anführen, dass Brustkrebs vererbar ist, ziehen wir falsche Schlüsse. Das Brustkrebsrisiko, das von einer zur nächsten Generation weitergegeben wird, beruht selten auf wahrer genetischer Vererbung, sondern vielmehr auf einer "Vererbung" ähnlicher nicht-konstruktiver Ernährungsgewohnheiten, Lebensstile und emotionaler Muster.

Leider ist dieser falsche Schluss, Brustkrebs wäre hauptsächlich eine Sache der Vererbung "schlechter Gene", ein folgenschwerer. Er lässt viele Frauen mit dem Gefühl zurück, sie seien hilflose Opfer ihrer eigenen Genetik, was wiederum ganz eigene fatale Konsequenzen hat. Sich der gefühlten Tatsache ergebend, dass Brustkrebs ihr wahrscheinliches Schicksal ist, versäumen es viele Frauen bezüglich der zahlreichen Umweltfaktoren, die eine signifikante Rolle bei der Krebsvorbeugung spielen, aktiv zu werden.

Eine weitere Konsequenz für viele Frauen, die mit diesem Glauben an die genetische Vorbestimmung für Brustkrebs leben, ist vielleicht noch folgenschwerer. Wenn wir die Kraft unseres Geistes verstehen und lernen, wie wir unsere eigene Realität durch die Auswahl unserer Gedanken erzeugen, erkennen wir, dass eben jene Frauen, die von ihrem Schicksal überzeugt sind, eines Tages Brustkrebs diagnostiziert zu bekommen, ihre Gedanken ungewollt in einer zutiefst schädlichen Weise nutzen, nämlich um die Bühne für die Realität vorzubereiten, die sie am meisten fürchten!

Und als wäre das nicht schlimm genug, erleben wir den Fehler dieser gewählten Brustamputationen dann, wenn die Frauen, die sich dieser verstümmelnden Operation unterziehen, trotzdem dem Krebs erliegen. Warum? Ganz einfach, weil Krebs nicht gleich Tumor bedeutet! Der Tumor ist nur ein Symptom, und das Symptom (Tumor) – oder in diesem Fall das Gewebe, das den Tumor wahrscheinlich beherbergen wird – zu entfernen, schießt völlig am Ziel vorbei. Die wahre Krankheit ist der Mangel an Sauerstoff, und genau hierauf sollten wir uns konzentrieren.

Andreas Moritz fasst das Thema Gene und Krebs vielleicht am besten zusammen, wenn er sagt: "Krebs war immer eine extrem seltene Krankheit, außer in den Industrienationen während der letzten 40-50 Jahre. Menschliche Gene haben über tausende von Jahren nicht wesentlich geändert. Warum sollten sie sich jetzt so drastisch ändern, und plötzlich Unmengen von Menschen töten?……jeder gute Genforscher würde ihnen erzählen, dass so ein Glaube jeder Logik entbehrt und schlicht unwissenschaftlich ist." **

Zusammenfassen kann man sagen: sich auf die Genetik zu verlassen, um das eigene Risiko für Brustkrebs einzuschätzen, hat nicht nur ernste Konsequenzen, es ist auch wissenschaftlich nicht haltbar.

Wie unendlich besser ist es daher zu wissen, dass man die Umweltfaktoren, die das Risiko beeinflussen, an Brustkrebs (oder einem anderen Krebs) zu erkranken, selbst bestimmt. Im Gegensatz zu einem Leben voller Angst, dass man das nächste Opfer des genetischen Würfelspiels werden könnte.
 

Dr. Janey ist Krebs-Coach und Autorin. Auf ihrer Homepage Cancer Alive finden sich weitere spannende und informative Artikel, sowie eine Übersicht über das von ihr empfohlene 7-Punkte-Programm bei Krebs. Weiterhin findet sich dort ein Shop mit verschiedenen Produkten, wie z.B. ihrem Buch You Can Heal Yourself From Cancer Now! (auch als eBook erhältlich).

* Anm. d. Krebscafes: Das National Cancer Insitute (NCI) schreibt dazu auf seiner Website:
"Es ist wichtig zu bedenken, das die meiste Forschung bezüglich BRCA1 und BRCA2 an großen Familien mit vielen von Krebs betroffenen Individuen durchgeführt wurde. Schätzungen bzgl. mit BRCA1- und BRCA2-assoziertem Brust- und Eierstockkrebs wurden aus den Studien an eben diesen Familien erstellt. Da Familienmitglieder einen Teil ihrer Gene, und oft auch ihres Umfelds, weitergeben, ist es möglich, dass ein großer Teil der Krebsfälle in diesen Familien teilweise auf anderen genetischen oder umgebungsbedingten Faktoren beruht. Demzufolge könnten die Risikobewertungen, die auf diesen Familien mit vielen Betroffenen Mitgliedern beruhen, nicht das genaue Risiko für Träger von BRCA1- und BRCA2-Mutationen in der allgemeinen Bevölkerung widerspiegeln. Weiterhin sind keine Daten aus Langzeitstudien an der Allgemeinbevölkerung vorhanden, die das Krebsrisiko von Frauen, die eine schädliche BRCA1- oder BRCA2-Mutation besitzen, mit jenen vergleicht, die keine solche Mutation haben. Folglich sind die oben genannten Prozentwerte Schätzungen, die sich ändern können, sobald weitere Daten dazu erhältlich sind."

**Anm. d. Krebscafes: Wie Siddhartha Mukherjee in seinem Buch Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie überzeugend darlegt, ist ein Teil dieses häufigeren Auftretens von Krebs
zum einen auf die drastisch verlängerte Lebenserwartung des Menschen zurück zu führen (Zitat aus dem o.a. Buch: "Das Brustkrebsrisiko zum Beispiel beträgt bei einer dreißigjährigen Frau ungefähr 1 zu 400, bei einer siebzigjährigen bereits 1 zu 9. In den meisten antiken Gesellschaften lebten die Menschen einfach nicht lang genug, um an Krebs zu erkranken, sie wurden schon vorher von Schwindsucht, Ödemen, Cholera, Pocken, Lepra, Pest oder Lungenentzündung dahingerafft."). Zum anderen sind die Diagnosemethoden wesentlich genauer geworden. Während man früher vielleicht nur jene Krebsfälle diagnostizierte, die offensichtlich nach außen traten oder durch eine Obduktion festgestellt wurden, gibt es heute allerhand Früherkennungssysteme, durch die die Zahl der mit Krebs diagnostizierten Personen immens angestiegen ist.
Dennoch muss man Andreas Moritz teilweise recht geben, die steigenden Krebsfälle sind sicher nicht allein durch die oben genannten Umstände zu erklären. Und so gibt es noch einen weiteren Faktor, den auch Siddhartha Mukherjee nicht außer acht lässt: die "veränderten Strukturen des modernen Lebens [haben] das Spektrum der Krebsarten beträchtlich verschoben", so Mukherjee in seiner Biografie über den Krebs. Diese veränderten Strukturen, möchten wir hinzufügen, lassen Krebs mit allergrößter Wahrscheinlichkeit heutzutage häufiger auftreten.

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Das glücklichste Volk der Welt

Der ehemalige Missionar und Sprachwissenschaftler Dan Everett lebte mehrere Jahre bei den Pirahã, einem kleinen Indianervolk aus dem Amazonasgebiet. Die Sprache der Pirahã hat einige linguistische Besonderheiten. So kennen sie keine Zahlen, sondern verwenden nur Begriffe für "eins" oder "viele". Auch gibt es in ihrer Sprache keine Vergangenheits- oder Zukunftsform. Das und die Lebensweise der Pirahã zeugt von einer gänzlich anderen Sicht auf das Leben; die Pirahã leben im Hier und Jetzt und kümmern sich weder groß um Vergangenes noch um das, was in der Zukunft passiert. Das wäre alles noch nicht so außergewöhnlich, würde Everett sie nicht als das glücklichste Volk der Welt bezeichnen. Darüber hat der Sprachwissenschaflter vor nicht allzu langer Zeit Buch geschrieben und veröffentlicht. Darin schildert er seine Erfahrungen mit den Pirahã, und berichtet darüber was dieses Volk so besonders macht. Als Vorgeschmack gibt es hier einen kurzen Fernsehbericht.

 

 

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Wissenschaftler fordern: Neudefinition von Krebs und Früherkennung

 

Es ist schon paradox, die Mittel zur Krebsfrüherkennung werden immer ausgefeilter und die Zahl der Früherkennungen steigt mit jedem Jahr an. Dennoch gibt es heute wie damals genauso viele fortgeschrittene Krebsfälle und Menschen, die an dieser Krankheit sterben. Das Ziel der Krebsfrüherkennung wurde somit nicht erreicht, bemängelt eine Arbeitsgruppe des US-amerikanischen Nationalen Krebsinstituts (NCI) in der neusten Ausgabe der medizinischen Fachzeitschrift JAMA. Krebs würde zu häufig diagnostiziert und somit auch zu häufig behandelt, selbst wenn dies gar nicht nötig sei.

Nicht jeder Krebs bildet Metastasen und auch nicht jeder Krebs endet unbehandelt mit dem Tod des Patienten, so die Autoren des Artikels. Mancher Krebs würde ohne Screening ein Leben lang unentdeckt bleiben und auch keine Probleme verursachen. Während die Früherkennung bei manchen Krebsarten, wie z.B. Darm- und Gebärmutterhalskrebs, offensichtlich zu einem Rückgang der fortgeschrittenen Krebsfälle geführt hat, ist dieser Erfolg bei anderen Krebsarten ausgeblieben. Weiterhin macht das häufig zeitnahe Screening bei schnell fortschreitendem Krebs laut den Autoren selten Sinn. Es ist eher für langsam fortschreitende Erkrankungen sowie Fälle geeignet, in denen bisher lediglich präkanzerose Gewebsveränderungen festgestellt wurden.

 

"Ärzte, Patienten und die allgemeine Öffentlichkeit müssen wissen, dass eine übermäßige Diagnosestellung verbreitet ist und häufiger im Rahmen von Krebsfrüherkennungen passiert. Die Überdiagnose, oder auch die Feststellung von indolentem Krebs, kommt häufig bei Brust-, Lungen-, Prostata- und Schilddrüsenkrebs vor."
Overdiagnosis and Overtreatment in Cancer, JAMA, July 29, 2013

 

Die Arbeitsgruppe des NIC bemängelt auch, dass die steigende Früherkennungsrate bei einigen Krebsarten zu einer übermäßigen und nicht immer sinnvollen Behandlung führen kann. Denn wer einmal das Stigma "Krebs" auf die Stirn geschrieben bekommen hat, kommt aus dem riesigen modern-medizinischen Behandlungsapparat oft so schnell nicht wieder heraus. Dabei hätten viele der diagnostizierten und behandelten Krebserkrankungen den Patienten vielleicht nie Probleme bereitet. Das Problem entsteht manchmal erst durch die allzu eilige Früherkennung.

Die NIC-Arbeitsgruppe schlägt daher vor, das derzeitige Früherkennungssystem zu überdenken und zu verändern. Ein ideales Screening konzentriere sich auf die Erkennung von Erkrankungen, die tatsächlich Schädigungen und Leid verursachen, und die sich im frühen Krankheitsstadium leichter behandeln lassen. Die Autoren gehen sogar noch einen Schritt weiter und plädieren dafür, den Begriff "Krebs" nur für solche krankhaften Gewebsveränderungen zu verwenden, bei denen unter Ausschluss einer Behandlung ein tödlicher Verlauf möglich ist. Präkanzeröse Veränderungen sollten weder als Krebs bezeichnet werden, noch diesen in irgendeiner Form in ihrem Namen tragen. Außerdem sollten Diagnosemittel für die Erkennung von indolentem Krebs (z.B. gutartige Tumore oder Krebs mit niedrigerem Gefährdungspotential für den Patienten) entsprechend angepasst und überprüft werden.

Das Krebscafe meint: Die Schritte, die die Arbeitsgruppe im Fachmagazin JAMA vorschlägt, sind sehr zu begrüßen. Denn letztlich geht es bei Krebs nicht nur darum, die Krankheit zu heilen. Es geht im Angesicht der fortschreitenden Erkenntnisse über diese Erkrankung auch darum, immer wieder neu zu definieren, was Krebs denn überhaupt ist und welche Behandlungsoptionen sich daraus ergeben. Die Stigmatisierung in unserer Gesellschaft mit dem Begriff "Krebs" muss aufhören. Denn nicht jeder Mensch, bei dem Krebs festgestellt wird, ringt mit dem Tod, und nicht bei jedem Patienten ist eine aggressive Behandlung im schulmedizinischen Sinne angebracht. Viele Mediziner und Wissenschaftler reden seit Jahren vom Krebs als eine immer besser zu kontrollierende und den Patienten oft kaum noch einschränkende Erkrankung. Diesen Worten sollten nun Taten folgen und die schulmedizinische Einstellung zur Früherkennung, Klassifizierung und Behandlung von Krebserkrankungen überdacht werden.

 

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Wie gefährlich sind Handys wirklich?

Bisher konnten Wissenschaftler keinen klaren Zusammenhang zwischen häufiger Handynutzung und eine erhöhten Krebsrisiko feststellen. Und so werden Mobilfunktelefone von offzieller Seite lediglich als potenziell karzinogen eingestuft. Das könnte sich mit einer neuen Studie aus Tel Aviv nun ändern.

Gemeinsam mit Kollegen der HNO-Chirurgieabteilung des Rabin Medical Centers suchten Wissenschaftler der University of Tel Aviv nach Hinweisen, die einen Zusammenhang zwischen oxidativem Stress und häufiger Handynutzung offenbaren. Da sich Handys beim Telefonieren in unmittelbarer Nähe zu den Speicheldrüsen befinden, vermuteten die Forscher, hier fündig zu werden. Im Rahmen der Studie nahmen sie daher Speichelproben von 20 Versuchspersonen, die seit mehreren Jahren ein Handy besitzen und damit im Monat mindestens 8 Stunden telefonieren. Die meisten Versuchspersonen telefonierten sogar mehr als 30 Stunden. Als Vergleich diente eine Gruppe gehörloser Personen, die nicht mit dem Handy telefonierte.

Wie erwartet fanden die Wissenschaftler deutlich erhöhte Werte für oxidativen Stress im Speichel der Vieltelefonierer. "Dies deutet darauf hin, dass ein beträchtlicher oxidativer Stress auf die Gewebe und Drüsen wirkt, die sich während der Nutzung in der Nähe des Mobilfunktelefons befinden.", so Dr. Hamzany, einer der Wissenschaftler. Oxidativer Stress wird mit Schädigungen der Zellen und krankhaften Veränderungen der DNA in Verbindung gebracht.

Leider gibt auch die Studie aus Tel Aviv noch keine endgültige Antwort darauf, ob Handys das Krebsrisiko erhöhen oder nicht. Die Hinweise darauf verdichten sich jedoch damit. Wer sicher gehen will, sollte das Handy nur benutzen, wenn es wirklich nötig ist. Neuere Handys verfügen weiterhin über eine Freisprech- oder Lautsprecherfunktion. Damit lässt sich auch aus größerer Entfernung zum Handy telefonieren. Antioxidativ wirksame Lebensmittel und Nahrungsergänzungen helfen dabei, den oxidativen Stress gering zu halten.

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Wenn die Chemotherapie nach hinten losgeht

Zu Beginn einer Chemotherapie spricht der Krebs oft sehr gut auf die Behandlung an. Doch ebenso häufig kommt es anschließend zu einer Resistenz gegen die Chemotherapie und der Tumor beginnt aggressiver zu wachsen als zuvor. Warum die Chemotherapie für viele Patienten zu einer so tödlichen Falle werden kann, haben Wissenschaftler in den USA jetzt herausgefunden. 

Die giftigen Substanzen einer Chemotherapie (Zytostatika) sollen eigentlich die sich schnell teilenden Krebszellen angreifen und am wachsen hindern. Das schaffen sie auch erstaunlich gut. Allerdings werden dabei ebenso andere gesunde Körperzellen angegriffen. Einige dieser gesunden Zellen schütten daraufhin ein Protein namens WNT16B aus. Große Mengen an WNT16B lassen den Tumor umso mehr sprießen: sie regen sein Wachstum an, helfen ihm dabei, in umliegendes Gewebe einzudringen, und tragen zur Resistenz gegen die Chemotherapie bei.

Der bis zu 30-fache Anstieg der WNT-Produktion ist für die Wissenschaftler völlig überraschend. Zwar war bekannt, dass WNT auch bei der Entwicklung einiger Krebsarten mitwirkt, doch seine Rolle bei der Chemotherapie-Resistenz ist den Forschern neu. Und somit wäre auch geklärt, warum die Chemotherapie unter Laborbedingungen hervorragend funktioniert, beim Menschen jedoch auf heftige Gegenwehr stoßen kann.

Wissenschaftler, wie der Professor für Medizinethik Dr. Arthur L. Caplan, halten die Chemotherapie jedoch weiterhin für eine sinnvolle Methode, die vielleicht lediglich einer Anpassung bedarf. So könnte man zum Beispiel die WNT16B-Produktion mit weitere chemischen Substanzen verhindern. Oder man reduziert einfach die Dosis der Chemotherapie. In der Folge produziert der Körper weniger WNT16B und es kommt nicht zur Resistenz gegen die Chemotherapie.
Ich denke jedoch folgendes. Wenn der menschliche Körper mit derart heftigen Abwehrmechanismen auf eine Krebsbehandlung reagiert, dann ist es für die Medizin vielleicht an der Zeit, ihre Philosophie zu überdenken. Sie sollte wegkommen vom "Kampf" gegen den Krebs als "Feind" im Körper und hin zu einer Therapie, die die Ursachen beseitigt und die Bedürfnisse und Grenzen des Körpers wahrnimmt und respektiert.

 

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Doku: Kann Glaube heilen?

Der WDR strahlte im Juli eine Reportage über den Filmemacher Kurt Langbein aus, der sich nach einer schweren Krebserkrankung auf die Suche nach Heilung macht. "Welche Faktoren mobilisieren unser Immunsystem und geben Kraft, auch aussichtslose Krankheiten zu überleben? Er fragt nach und besucht Menschen, die aufgrund ihrer Krebsdiagnose als todgeweiht galten, sich jedoch heute bester Gesundheit erfreuen. Bettina Reiter, selbst Ärztin und Psychotherapeutin, wurde nur noch ein halbes Jahr Lebenszeit prognostiziert. Mit allen Mitteln, darunter Immun- und Fiebertherapie, wandte sie sich dagegen – und gilt heute, vier Jahre später, als gesund. Auch Helmuth Bayreuther gaben die Ärzte nur noch Monate. Er entschied sich für eine ganzheitsmedizinische Behandlung und ist seit einem Dutzend Jahren frei von Krebs." (Quelle: WDR Online)

Die Reportage kann man kostenlos unter diesem Link ansehen:

Kann Glaube heilen?

 

Update: Intermittierendes Fasten

Ein kleines Update zu unserem kürzlich veröffentlichten Artikel Studie: Fasten und Chemo gegen Krebs:

Eine ganz aktuelle Studie bestätigt , dass das Intermittierende Fasten (IF) – in diesem Fall ein bis zwei Fastentage pro Woche – auch gut für’s Gehirn ist. Vermutlich schützt IF damit vor degenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Hier geht’s zur Studienbeschreibung (auf Englisch):

Fast once or twice a week to improve brain health and prolong life

Eine weitere Studie belegt einen positiven Einfluss des IF auf das Diabetesrisiko:

Routine Periodic Fasting Lowers Disease Risk