Neuer Wirkmechanismus von Vitamin C könnte auch bei Krebs helfen

Der zweifache Nobelpreisträger und Friedensaktivist Linus Pauling gilt als Ikone der alternativen Krebstherapie. Er ist Begründer der orthomolekularen Medizin, also der hochdosierten Verwendung von Vitaminen und Mineralstoffen zur Vermeidung und Behandlung von Krankheiten. Pauling war ein überzeugter Anhänger des Vitamin C. Er sah sogar die Möglichkeit, damit Krebs zu heilen. Obwohl seine Forschung in diesem Bereich vom größten Teil der Mediziner nicht angenommen wurde, scheint die hochdosierte Vitamin C-Therapie bei Krebs doch immer wieder erfolgreich zu sein. Durch Zufall sind Wissenschaftler der University of California, San Francisco, nun auf einen wichtigen Wirkungsmechanismus des Vitamins gestoßen, der auch für die Krebstherapie bedeutend sein könnte.

Zumindest bei den Stammzellen von Mäusen spielt das Vitamin eine Rolle dabei, ob bestimmte für das Wachstum relevante Gene an- oder ausgeschaltet werden. Genauer gesagt wirkt Vitamin C auf bestimmte Enzyme, die so genannten TET, welche sozusagen die Bremsen lösen, die das Ablesen bestimmter Gene verhindern. Das klingt kompliziert, lässt sich aber recht einfach erklären.

Wer schaltet die Gene an und aus?

Nachdem Wissenschaftler die Gene entdeckten und sich ihrer Bedeutung bewusst wurden, gingen einige von ihnen zunächst fälschlicherweise davon aus, dass die Gene unser unabänderliches Schicksal bestimmen. Mit der Zeit fand man jedoch heraus, dass die Art und Weise, wie unsere Gene auf unser Leben und unsere Gesundheit wirken, von Faktoren mitbestimmt werden, die sehr wohl veränderlich sind und in unseren Händen liegen. Daraus entwickelte sich der Bereich der Epigenetik.
Ein wichtiger Wirkmechanismus dieser Epigenetik ist die DNA-Methylierung. Sie bestimmt, welche Gene an- oder ausgeschaltet werden und somit im gegebenen Augenblick überhaupt "wirken" können. Dabei wird, vereinfacht gesagt, ein bestimmtes Molekül (Methylgruppe) an eine wichtige Steuereinheit der DNA geheftet und kann das Gen somit inaktivieren – bei dem Molekül handelt es sich sozusagen um einen chemischer "Ausschalter" für das Gen.

DNA-Methylierung und Krebs

In den vergangenen Jahren ist die DNA-Methylierung immer mehr auch in den Fokus der Krebswissenschaftler gerückt, denn man geht davon aus, dass sie – ein ansonsten normaler und lebenswichtiger Prozess – auch bei der Krebsentstehung eine Rolle spielt. Nämlich dann, wenn durch das Andocken des oben beschriebenen Ausschalters wichtige Schutzmechanismen einer Zelle lahmgelegt werden, die z.B. die Zellteilung hemmen (ein Tumor bedeutet unkontrollierte Zellteilung).

Genau hier setzt Vitamin C offensichtlich an: es hilft über Umwege dabei, das Ausschalter-Molekül, also die Methylgruppe, wieder von der DNA zu lösen und ein Ablesen des entsprechenden Gens zu erlauben. Sollte sich die Vermutung der Wissenschaftler bewahrheiten und dies nicht nur bei embryonalen Stammzellen von Mäusen, sondern auch bei adulten Stammzellen von Menschen und bei den Genen der Fall sein, die durch die DNA-Methylierung die Krebsentstehung bedingen, dann könnte Linus Paulings Traum eines Tages wahr werden. Denn dann würde das Vitamin C seinen wohlverdienten Platz in der Krebstherapie einnehmen und vielleicht eines Tages zum Standardrepertoire eines jeden Onkologen gehören.

Als kleine Randbemerkung sei erlaubt, dass Linus Pauling etwa 18 Gramm Vitamin C täglich zu sich nahm. Er starb zwar an Prostatakrebs, jedoch erst mit 93 Jahren. Er galt bis ins hohe Alter als "rüstig und geistig rege".

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