Wenn die Chemotherapie nach hinten losgeht

Zu Beginn einer Chemotherapie spricht der Krebs oft sehr gut auf die Behandlung an. Doch ebenso häufig kommt es anschließend zu einer Resistenz gegen die Chemotherapie und der Tumor beginnt aggressiver zu wachsen als zuvor. Warum die Chemotherapie für viele Patienten zu einer so tödlichen Falle werden kann, haben Wissenschaftler in den USA jetzt herausgefunden. 

Die giftigen Substanzen einer Chemotherapie (Zytostatika) sollen eigentlich die sich schnell teilenden Krebszellen angreifen und am wachsen hindern. Das schaffen sie auch erstaunlich gut. Allerdings werden dabei ebenso andere gesunde Körperzellen angegriffen. Einige dieser gesunden Zellen schütten daraufhin ein Protein namens WNT16B aus. Große Mengen an WNT16B lassen den Tumor umso mehr sprießen: sie regen sein Wachstum an, helfen ihm dabei, in umliegendes Gewebe einzudringen, und tragen zur Resistenz gegen die Chemotherapie bei.

Der bis zu 30-fache Anstieg der WNT-Produktion ist für die Wissenschaftler völlig überraschend. Zwar war bekannt, dass WNT auch bei der Entwicklung einiger Krebsarten mitwirkt, doch seine Rolle bei der Chemotherapie-Resistenz ist den Forschern neu. Und somit wäre auch geklärt, warum die Chemotherapie unter Laborbedingungen hervorragend funktioniert, beim Menschen jedoch auf heftige Gegenwehr stoßen kann.

Wissenschaftler, wie der Professor für Medizinethik Dr. Arthur L. Caplan, halten die Chemotherapie jedoch weiterhin für eine sinnvolle Methode, die vielleicht lediglich einer Anpassung bedarf. So könnte man zum Beispiel die WNT16B-Produktion mit weitere chemischen Substanzen verhindern. Oder man reduziert einfach die Dosis der Chemotherapie. In der Folge produziert der Körper weniger WNT16B und es kommt nicht zur Resistenz gegen die Chemotherapie.
Ich denke jedoch folgendes. Wenn der menschliche Körper mit derart heftigen Abwehrmechanismen auf eine Krebsbehandlung reagiert, dann ist es für die Medizin vielleicht an der Zeit, ihre Philosophie zu überdenken. Sie sollte wegkommen vom "Kampf" gegen den Krebs als "Feind" im Körper und hin zu einer Therapie, die die Ursachen beseitigt und die Bedürfnisse und Grenzen des Körpers wahrnimmt und respektiert.

 

Quellen und weiterführende Links

 

2 Gedanken zu „Wenn die Chemotherapie nach hinten losgeht

  1. Dr. D.

    Das Chemotherapien bei den meisten soliden Tumorentitäten eine eher schwache und nur kurzfristige Ansprechrate haben ist nicht neu. Gute Ergebnisse gibt es vor Allem im Bereich der Lymphome und auch der Leukämien.
    Ansonsten liegen die Resultate meist im Bereich zwischen kein nachweisbarer benefit und 30% (im Schnitt ca. um 10%) und bei einem Überlebensvorteil von im Schnitt ca. 1-2 Monaten. Das Ganze wird oft mit einem hohen Preis erkauft (Gestörte Blutbildung, geschädigte Niere oder Leber, Übelkeit, Gewichtsverlust und Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit können evtl. auch die Gesamtprognose beeinträchtigen)
    Ein Unding ist auch das zu den Erfolgen u.a. die Situationen mitgezählt werden, wo in der Bildgebung überhaupt kein meßbarer Unterschied in der Tumorgröße gesehen wird (man interpretiert das dann als Wachstumsverzögerung), während auf anderen Gebieten nur die komplette oder partielle Remission als Erfolg bezeichnet wird. Ohne diesen Kunstgriff wären die Ergebnisse noch deutlich schlechter.

    Der Mythos der Chemotherapie als Allheilmittel der Krebserkrankung ist nach meiner Ansicht ein marketing-trick der Pharmazeutischen Unternehmen, die mit großem Einsatz versuchen, ihre Produkte auf den Markt zu bringen.
    Leider sind auch bei der targeted Therapie noch viele Ergebnisse eher entäuschend und man ringt mit enormen Geldeinsatz um wenige Wochen Überlebensgewinn – auf dem Rücken eines limitierten Gesundheitsbudgets, dass zT effektiver eingesetzt werden könnte.

  2. admin Beitragsautor

    Hallo Herr Dr. Kuczer,

    es freut mich sehr, dass sich auch immer mehr Ärzte dazu bekennen. Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem angehenden Allgemeinmediziner. Der gab offen zu, dass es ihm sicher auch darum gehe, den Menschen zu helfen, aber um seine Praxis am Laufen zu halten, würde und müsste er eben danach schauen, welches zusätzliche Medikament er den Patienten „auf’s Auge drücken“ könne. Ich fand diese Offenheit sympathisch, gleichzeitig wurde mir klar, dass sich die konventionelle Schulmedizin mit dieser Ausrichtung auf Profit längst ihren eigenen Todesstoß gegeben hatte. Der Wandel ist nur eine Frage der Zeit.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Thies

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