Zitat des Tages (31.5.09)

Die zwei großen Strömungen und ihre spirituelle Position
Die große Stärke des Liberalismus liegt darin, dass er die individuellen Rechte des Menschen bekräftigt. Seine große Schwäche ist seine krasse Scheu vor dem Geist. Der moderne Liberalismus entstand während der Aufklärung hauptsächlich als – völlig berechtigte – Gegenströmung zur mythischen Religion. Dann aber wurde der Liberalismus Opfer der klassischen Prä/Trans-Verwechslung: Er vertrag die Auffassung, dass alle Spiritualität nichts als prärationaler Mythos sei, und verwarf deshalb auch gleich alle transrationale Spiritualität, was eine absolute Katastrophe war (Reagan hätte gesagt: Er schüttete das Kind mit dem Abwasch aus). Der Liberalismus versuchte, Gott zu töten und den transpersonalen Geist durch einen egoistischen Humanismus zu ersetzen, und wie sehr ich in meinen sozialen Werten Liberaler bin – dieser Horror vor allem Göttlichen ist die unschöne Kehrseite des Liberalismus.
Eine der Stärken des typischen Konservatismus andererseits ist seine Hinwendung zum Geist; eine seiner Schwächen liegt darin, dass dieser "Geist" praktisch immer prärational, mythisch, fundamentalistisch und egozentrisch ist. Deshalb sind Konservative ein wenig zu begierig, einem ihre Überzeugungen und ihre "Familienwerte" aufzudrängen, und weil sie Gott auf ihrer Seite haben, fühlen sie sich in ihrer Haltung sehr sicher. Wo das konservative Lächeln etwas intensiver wird, ist es nicht mehr weit bis zu den Hexenjagden.- Ken Wilber
Quelle: Eros, Kosmos, Logos: Eine Jahrtausend-Vision
Weiterführende Links
- Why People Believe Invisible Agents Control the World
- Die Prä/Trans-Verwechslung
- George Lakoff: How Liberals and Conservatives Think (Video)
Bildquellen
- Bright Idea – Clear Lightbulb With Clipping Path by Craig Jewell (@sxc.hu)
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