
Eine neue Studie bestätigt: Offensichtlich hat die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen einen erheblichen Einfluss auf die Genesung bei Krebserkrankungen. Ein Aufruf an die Betroffenen also, sich auch der psychischen Gesundheit zu widmen.
Wieder einmal ist es das Focus Magazin, das über außergewöhnliche Forschungsergebnisse in der Krebsforschung berichtet. Dabei ist es nicht einmal zwei Wochen her, dass dort die öffentliche Sichtweise der bald häufigsten Todesursache auf den Kopf gestellt wurde (das Krebscafe berichtete an dieser Stelle).
Schlechtere Heilungsaussichten bei Beziehungsproblemen
Die US-amerikanische Studie beleuchtete die Auswirkungen einer partnerschaftlichen Beziehung auf die Genesung von Brustkrebs bei Frauen. Das Ergebnis ist gerade aus konventioneller Sicht höchst interessant: Je unglücklicher die Paarbeziehung, desto langsamer erholen sich Brustkrebspatientinnen von ihrer Erkrankung und den Nebenwirkungen der Behandlung.
100 Brustkrebspatientinnen berichteten im Rahmen einer größeren Langzeitstudie zu Stress und Abwehrkraft regelmäßig über die Qualität ihrer Partnerschaft. In allen Fällen handelte es sich um eine Ehe oder eine eheähnliche Beziehung. Die Frauen, die von Eheproblemen berichteten, hatten es offensichtlich deutlich schwerer, wieder gesund zu werden. Obwohl theoretisch auch andere Gründe dafür möglich sind, ließ sich der Beziehungsstress doch als deutliches Heilungshindernis identifizieren.
„Die Schwierigkeiten, die eine gestörte Beziehung mit sich bringt, führen zu ernsten Gesundheitsproblemen und schlechten Heilungsaussichten“ – Studienautorin Hae-Chung Yang (Quelle)
Während eine Krebsdiagnose für jeden Menschen niederschmetternd ist, egal ob glücklich verheiratet oder nicht, sank "der krankheitsbedingte Stress der zufriedenen Probandinnen (…) bald deutlich, während er bei den unglücklichen hoch blieb", so die die Stuienautorin Hae-Chung Yang. Hinzu komme, dass sich Frauen in glücklichen Beziehungen besser ernährten und konsequenter Sport trieben – beides wichtige Faktoren, die zur Heilung beitragen können.
Dieses Ergebnis ist im Prinzip nichts Neues: Seit Jahrzehnten weisen Pioniere der Krebsforschung auf den engen Zusammenhang zwischen Krebserkrankung und Psyche hin. Die öffentliche Meinung und die schulmedizinische Wissenschaft reagieren wie immer zeitverzögert.
Heilung trotz Ehekrise?
Was bedeutet dieses Ergebnis nun für Sie, wenn Sie momentan in einer unglücklichen Beziehung leben? Muss man sich mit den Ergebnissen der Studie einfach abfinden? Sollte man Problemen mit der Partnerin oder dem Partner aus dem Weg gehen? Ich denke nein. Herausforderungen mit unseren Mitmenschen sind immer auch ein Teil der geistigen Heilung, ein erster Wegweiser für die Richtung, in die wir uns entwickeln können. Je größer die Spannung zwischen unserer Vision einer glücklichen Beziehung und den zerstörerischen Elementen in ihr, desto deutlicher wird auch der Handlungsbedarf.
Probleme sind nicht einfach eine Laune der Natur, Herausforderungen nicht einfach nur Hindernisse auf dem Weg zum Glück. Es sind ganz konkrete Hinweise und Möglichkeiten, wie wir als Menschen wachsen und uns weiterentwickeln können. Eine gute Partnerschaft ist immer auch eine Herausforderung und Belastung (im positiven wie im negativen Sinne). Wenn wir dies erkennen und uns der Herausforderung stellen, machen wir einen ersten Schritt zur Gesundung und zur Ganzheit.
Ich wünsche Ihnen viel Vertrauen und gute Gedanken auf Ihrem Weg,
Andreas Thies
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